117
zur Wirklichkeit erhoben werde. In beiden Fällen endlich läßtsich sogar die Möglichkeit denken, daß der deutsche Bund, nurdas vor Augen habend, was seinem unmittelbaren Interesseangemessen ist, im Friedensschlüsse, wenn Preußen zum Heilevon Deutschland Aufopferungen in Ländern verlangt, die demBunde fremd sind, er sich im Weigerungsfälle gegen Preußen,tjua außer deutsche Macht, erklärt. Die Vortheile, die mandagegen bei einem theilweiscn Beitritt zum Bunde zu habenvermeint, können seyn, daß Preußen eine außerdeutsche, alsoeuropäische Macht bleibt und scheinbar weniger abhängigvom Bunde ist. Ich sage scheinbar, denn ein Staat, der demVerbände mit ^ seiner Ländermassc angehört, wird dadurchauch für das letzte Viertel so abhängig, als es der Verpflich-tung gemäß ist. Daß Preußen als europäische Macht galt,war zu den Zeiten Friedrichs I. und bis zur Auflösung desalten Rcichsvcrbandeö sehr richtig. Dcnn einmal hätte Preu-ßen als deutscher Staat nie die Königskrone annehmen können,und dann waren die damaligen Reichsglieder dem Oberhauptsubordinirt, also eine politische Stellung neben Oestreichnicht möglich.
Daß Preußen, wie der Minister Humboldt meint, seit demJahre 1813 in allen Verhandlungen zu den 5 größten Staa-ten, von denen sogar Spanien ausgeschlossen blieb, gerechnetwurde, lag wohl weniger an seiner außerdeutschen Stellung, alsan der kräftigen Rolle, die es in den Kriegen gespielt und an dementschiedenen Antheil, den es an dem Gange der Begebenheiten ge-habt hatte. Preußens Unabhängigkeit liegt daher in seinen 10Millionen Menschen, in seiner kräftigen Regierung, in seinerwohl-organisirten Kriegsmacht und in dem kriegerischen Geiste einesgroßen Theils seiner Einwohner, so wie auch in seiner politischen