Druckschrift 
1 (1830)
Entstehung
Seite
286
Einzelbild herunterladen
 

2M

Länge, und überhaupt nimmt die Dauer jeder Schwingung in cbmdem Maaße, wie die Lange der Saite, zu. Wenn also eine Saitevon bestimmter Lange hundert Schwingungen in einer gewissen Zeitmacht, so vollendet, dieser theoretischen Betrachtung zu Folge, diehalb so lange Saite 200 Schwingungen in eben der Zeit, die einDrittel so lange Saite 300 Schwingungen in eben der Zeit, wenndie übrige Beschaffenheit der Saiten einerlei, und die spannendeKraft bei allen gleich ist.

Es ist wohl natürlich, daß wir uns, sobald wir uns von diesenSätzen überzeugt haben, an die Erfahrung wenden, um von ihreine Bestätigung dieser theoretischen Schlüffe zu erhalten. Aberobgleich das Abzahlen der Vibrationen bei langsamen Schwingun-gen diese Gesetze genau bestätiget, so findet doch diese Vergleichungin der zu großen Schnelligkeit, mit welcher sie auf einander folgen,bald ihre Grenze, und cs bleibt uns nur die Vergleichung übrig,welche das Gehör uns darbictct. Indem wir diese versuchen, zeigtsich uns die überraschendste Uebereinstimmung, die uns nur je Vor-kommen kann. Der Musiker kennt, wenn ein Ton angegeben ist,den bestimmten andern Ton, welchen man die Octave jenes Grund-tones nennt, er kennt die Quinte, die Quarte, die doppelte Octave,die Tcrze dieses Grundtones, und diese Töne sind ihm in ihremVerhältnisse zu jenem Grundtone merkwürdig, weil sic mit dem-selben zusammen dem Ohre angenehm sind, Consonanzen dacbictcn,statt daß das Zusammcntönen des Grundtones mit manchen andernTönen dissonirend ist. Und grade auf jene consonirenden Töne führtuns der Versuch, wenn die Anzahl der Schwingungen sich verdop-pelt, verdreifacht, oder viermal und fünfmal so groß wird.

Man bedient sich unter dem Namen Monochord eines In-struments, wo eine Saite in Schwingung gesetzt ivird, und woman durch verschiedene Länge, Dicke und Spannung der Saitealle die verschiedenen Schwingungen hcrvorbringen kann, die wir soeben theoretisch bestimmt haben. Dieses Instrument dient demmusikalischen Ohre zur Vergleichung der unter bestimmten Umstäir-dcn hervorgchendcn Töne, und kann daher Tonmesser, Tvn-verglcicher, genannt werden. Um den Saiten, wenn sie zum Tönengebracht werden, eine bestimmte Länge zu geben, werden sie inzwei Puncten durch den Steg festgchalten, und nur der zwischen