37
unehelichen Kinder mit der Zahl der gleichzeitig ehelich geborenen zu vergleichen, so gewährt docheine solche Vergleichung, eben jener Schwankungen wegen, nur eine sehr unsichere Grundlage fürBetrachtungen über die sittlichen Verhältnisse der Einwohner. Brauchbarer erscheinen hierzu unmit-telbare Verbleichungen der Einwohnerzahl mit der Anzahl der gleichzeitig erzeugten unehelichen Kin-der. Für die hier betrachteten fünf dreijährigen Zeiträume ergicbt die Vergleichung des arithmeti-schen Mittels der am Anfänge und am Ende derselben gefundenen Einwohnerzahl mit der Anzahl derwährend eines solchen Zeitraumes unehelich Geborenen Folgendes. Auf eine Million Einwohner ka-men im Durchschnitte jährlich unehelich Geborene in folgenden dreijährigen Zeiträumen
182f
2994
182f
2737
18M
2595
1831
2776
183|
2793
Die Zahl der unehelichen Kinder verminderte sich demnach, im Verhältnisse gegen die Einwohnerzahl,in dem zweiten und noch mehr in dem dritten dieser fünf Zeiträume; das ist in Jahren, wo zuerstin Folge des aul’serordentlichen Sinkens der Getreidepreise und grofscr Handelskrisen, später aberdurch Mifsernten und ansteckende Seuchen der gewohnte Erwerb sehr erschwert wurde: in den fol-genden sechs Jahren nahm die Anzahl der unehelichen Geburten wiederum zu, erreichte jedoch beiweitem noch nicht das Verhältnifs gegen die Einwohnerzahl, welches in den Jahren 182| bestand.Aus dieser allgemeinen Uebersiclit kann daher jedenfalls kein Grund entnommen werden, über eineZunahme der Unsittlichkeit in dieser Beziehung zu klagen. Ucbcrsichtlich in kleinen Zahlen stelltdas Verhältnifs sich so, dafs auf zehntausend Einwohner im günstigsten Falle beinahe 26, im ungün-stigsten sehr nahe 30 uneheliche Kinder jährlich im Durchschnitte kamen. Nach den weiter oben vor-gekommenen Angaben befanden sich unter einer Million Einwohner durchschnittlich 211601 Personenweiblichen Geschlechts, welche das 16te Lebensjahr überschritten, das löste aber noch nicht vollen-det hatten, folglich im gebärungsfähigen Lebensalter standen: hiernach kamen auf 2116 dieser Perso-nen jährlich im Durchschnitte zwischen 26 und 30 uneheliche Kinder, und es befleckte demnach von75 bis 76 derselben jährlich im Durchschnitte doch schon eine ihren guten Ruf durch eine unehe-liche Geburt.
Das Verhältnifs der unehelich Gebornen zu den Einwohnern stellt sich jedoch sehr verschiedenin den einzelnen Landestheilen, und zwar selbst in einzelnen Regierungsbezirken, sogar in zum Theilnicht weit von einander gelegenen landräthliclien Kreisen. Folgende ausgewählte Beispiele werdendarthun, in welchem Maafse diese Bemerkung- gegründet ist.
Vergleicht man für die hier betrachteten fünf dreijährigen Zeiträume das arithmetische Mittel derEinwohnerzahl zu Anfang und zu Ende eines jeden dieser Zeiträume mit der Anzahl der innerhalbdesselben unehelich Geborenen: so kamen auf 100,000 Einwohner jährlich im Durchschnitte unehe-lich Geborene