8W Entdeckungsreisen
hervorgezogen. Es schickte nämlich zu Anfang 1830 ein Häuptling von Laosäne kleine Truppenabtheilung nach Mulmein, einem englischen Grenzposten, welcheein Schreiben an den britischen Civilcommissair Maingy überbrachte, worin diesereingeladen wurde, einen Offizier nach Laos abzuschicken. Dies sollte eine Artigkeitsein, indem sich der Häuptling überzeugt hielt, daß kein Europäer eine solche Reiseunternehmen, viel weniger glücklich vollenden würde. Einige Monate später machteLieutenant Pemberton eine Wanderung nach den Gebirgen von Arracan, währendDr. Burnus die Länder Sind oder Sindhy, noch fast ganz unbekannte Bestand-theile Vorderindiens, nicht nur geographisch beschrieb, sondern in einem 1829 zuBombay und 1830 zu Edinburg erschienenen Werke historisch erläuterte, indemer einen Abriß der Geschichte von Cotsch, von seiner ersten Verbindung mit der bri-tischen Regierung in Ostindien bis zum Friedensschlüsse 1819 mitgetheilt hat.Der durch seine Reise zur Entdeckung der Vrahmaputraquellen bekannte Burltonist im Frühling 1830 ein Opfer seiner Wißbegierde geworden; die Kofseahs er-mordeten ihn und vernichteten durch Verbrennung einer schätzbaren Handschriftüber jene Gebirgsbewohner die Früchte aller seiner Mühen. Des Sonderbarenwegen dürfte die Reise des blinden Engländers Holman, der schon früher ganz Europa,Sibirien, West- und Ostafrika bereist hatte, nach Ceylon, Ostindien, China u. f. w.Erwähnung verdienen, Kleinasiens Kenntniß ward 1830 durch Virlet, Mitglied desvon Frankreich nach Morea gesandten Gelehrtenvereins, und den berühmten Ge-schichtschreiber Michaud geographisch und historisch erweitert, indem Jener Klein-asten und die angrenzenden Inseln von ihrem geologischen Standpunkte betrach-tete, Dieser aber Palästinas alte und neue Topographie erforschte. Des DichtersLamartine Reise in eben dieses Land kann hier nur angedeutet werden.
Der katholische Missionar Vincenzo Bizzozero hat die etwa 300 M. nordwest-lich von Neuorleans liegenden höchst reizenden Attakapasebenen (d. h. Land der Men-schenfresser, wahrscheinlich von dessen frühesten Bewohnern) besucht, und außer einemziemlich gebildeten Stamme kanadischer Ansiedler ein neapolitanisches Klima gefun-den, und Prinz Paul von Würtemberg hat die Gegenden jenseits der Felsengebirgedurchstreift und eineKarte vom Staate Louisiana aufgenommen. Natterer und Gel-tow sind in Brasilien noch immer mit Einsammeln für die naturhistorischen Museenvon Wien und Berlin beschäftigt, sowie der Sachse, Eduard Poppig, schon über zehnJahre die Westhemisphäre in naturwissenschaftlicher Beziehung auf Kosten einerAktiengesellschaft bereist. Über das Südamerika der höhern Breiten ist in neuesterZeit durch die unglücklichen Leidensgefährten Parchappe und Bonpland, welcherLetztere nach langjähriger Haft endlich seine Freiheit wiedererlangt hat, soviel Lichtverbreitet worden, daß man ausführlichen Berichten aus der Feder beider Freundemit großem Verlangen entgegensieht. Die«wichtigsten Ergebnisse scheint uns diedritte afrikanische Reise der beiden Lander zu versprechen. In diesem Augenblickebefindet sich wahrscheinlich das seltene Brüderpaar, von der britischen Regierungmit einem eigens dazu gebauten und mit Kaufmannswaaren, mathematischen In-strumenten und allerlei Geschenken versehenen Dampfboote ausgerüstet, auf der Reisenach dem Niger. Leicht werden sich friedliche Handelsverbindungen mit Völkern an-knüpfen, die so begierig nach Gegenständen europäischen Kunstfleißes sind. Das feind-selige Mistrauen der Negerstamme wird in dem Maße abnehmen, als sie einsehenlernen, daß sie die Weißen nicht mehr als Menschenräuber zu fürchten haben, und eswird nicht an entschlossenen Männern fehlen, die nach allen Richtungen in das uner-messene Festland eindringen, um es durch die Religion der Liebe, die Christus lehrte,einer immer zunehmenden Gesittung entgegenzuführen. Während sich dies großeWerk von Westen her im Herzen von Afrika verbreiten wird, laßt sich hoffen, daßdie auf Ägyptens Boden ausgestreuten Samenkörner zur segenreichen Ernte em-porwachsen, und Algiers Beispiel der europaischen Bildung auf dem Nordrande von