Druckschrift 
Erster Band (1832) A bis E
Entstehung
Seite
827
Einzelbild herunterladen
 

Englische Literatur 82/

Hogg (s- b.), und während Beide durch die heimathliche Gesangsweise angeregtwurden, hat Jener sich in echt nationalen Balladen, Dieser mit kräftigerm Geistin größern erzahlenden Dichtungen gezeigt. Im Gebiete der dramatischen Dicht-kunst ist Maria Russell Mitford mit Erfolg aufgetreten, und von ihren dreiTrauerspielen hatRienzi" (1828) auf der Bühne viel Glück gemacht, obgleich esallen an kraftigem Leben fehlt.Franz I." (1832), von der berühmten Schauspie-lerin Frames Anne Kemble, zeigt ein vorzügliches Talent.

Eine überreiche Ernte bietet sich seit einem Jahrzehend auch in England aufdem Felde desRomans dar. Wir müssen uns begnügen, die Richtungen anzu-deuten, welchen man hier gefolgt ist. Man hat in neuern'Zeiten den Roman inEngland zu einem Darstellungsmittel für die verschiedenartigsten Zwecke gemacht,aber der obzective Zweck, den man ihm oft gegeben hat, mußte dann das poetischeElement unterdrücken. So gibt es religiöse oder vielmehr theologisch-dogmatische! Romane, z. B.Tremaine" (von Ward), der den Sieg der Lehrmeinungen derherrschenden Kirche über einen Weltmann darstellt und in der Heirath des Be-> kehrten mit der Verwandten des orthodoxen Bekehrers seinen Schluß findet. Wirnennen nicht andere Erzeugnisse dieser Art, die für andere Glaubensansichtcn strei-ten, weil keins derselben der Idee des Romans entspricht. Eine andere sehr beliebteElasse bilden diejenigen, die man ethnographische Romane nennen könnte. DasVorbild derselben ist der durch Phantasie uno meisterhaste Darstellung ausgezeich-neteAnastasius" von Thomas Hope. Ihm folgten, hinsichtlich des Zwecks,Morier in seiner lebendigen Schilderung des Lebens in Persien,Hadschi Baba",und deren Fortsetzung,Hadschi Baba in England", wiewol ihm in Beziehung aufCharakteristik und Form derGilblas" vorschwebte, wahrend imAnastasius" eindunkler tragischer Faden fortlauft. Zu dieser Elasse gehören mehre schatzbare neuere! Werke, z. B. Frazer'sXu^illmsli", Maddcn'sNiissulman",?antjuran^^ Iluri". Der von Walter Scott geschaffene historische Roman fand die zahlreich-! sten Nachbildner, die, mehr oder weniger die Manier ihres Meisters nachahmend,vor geschichtlichen Hintergründen ihre Figuren spielen ließen, wie der talentvolleHorace Smirh, und Grattan, der Verfasser derKreuz- und Querzüge". Andereverbanden damit die als Hauptzweck hervortretende Schilderung der Zustande einerbestimmten Volksthümlichkeit in Charakteren und Sitten, wie der Amerikaner Cooper, der kräftige irlandische Sittenmaler I. Banim, sein LandsmannGrifsith, der Verfasser derNimster kestivals", der Schottlander John Galt,Allan Cunningham, die reichen Mittel eines originellen Geistes benutzend, und derSpanier Don Telesforo de la Trueba, der mit einer für einen Fremden seltenenGewandtheit die englische Sprache schreibt. Eigentümlich und frei von fremderAnregung ist in lebendiger Schilderung der Nationalitat Erosion Croker in seinenirischen Feenlegenden, und seinem neuesten Werke: ,,'1Ae uckvunturesKatnme?" (1832), das den charakteristischen Humor der Jrlander tresslich dar-stellt. Der englische Nationalroman, wie ihn Richardson, Fielding und Gold-smith ausgebildet, trat nun in den Hintergrund, seitdem auch die talentvolle Jo-hanna Austen und Maria Edgeworth die Bühne verlassen hatten; aber in derneuesten Zeit wurde die Idee desselben wieder von Lord Normanby (s. Mul-grave) und Eduard Lytton B ulw er (s. d.) originell aufgefaßt, die Beide eini-ge treffliche Gemälde bestimmter gesellschaftlicher Classen nach dem Leben gaben,uno vorzüglich auch das Leben der höhern Stände ihrer Zeit mit ergreifender Wahr-heit schilderten. Humoristisch und satirisch hat das Leben der Gegenwart, mit einemvorwaltenden Anklang von Toryismus, der geistreiche Hood (Wtnms auä ocküi-t-es") aufgegriffen. Godwin, der einst in seinem Williams" durch kräftige

Darstellung und scharfe Charakteristik sich als einen originellen Erzähler gezeigt,seitdem aber in wissenschaftlichen Gebieten sich bewegt hatte, gab in seinem