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Englands Gesetzresormen der neuern Zeit
kcs wird dadurch nur gesteigert. So erklart es sich, wie man die Ursache der Zöge-rung in üblem Willen der Regierung und des Parlaments sucht, und wie Maß-regeln, welche für sich keine unmittelbare Abhülfe gewahren, doch von der öffent-lichen Meinung mit Heftigkeit ergriffen und mit Beharrlichkeit durchgesetzt werden,wie die Reform des Parlaments, welche nur die Bahn zu künftigen materiellenVerbesserungen brechen soll, selbst aber keine Erleichterung verschafft. Ist aber ein-mal der Anfang gemacht, einzelne Theile des alten Staatsgebäudes umzubauen, soführt der natürliche Zusammenhang, in welchem alles Einzelne unter sich und mirdem Ganzen steht> unvermeidlich von einer Reparatur zur andern, und je langerdieselben verschoben worden sind, desto weiter müssen sie sich erstrecken und desto tie-fer eingreifen. Einzelne Manner haben freilich schon früher die Mangelhaftig-keit der alten Einrichtungen und das Irrige des Vorurtheils eingesehen, welches indem Alterthümlichen einen Vorzug fand und der antiken Form das Wesen derSache nachsetzte, oder sich und Andere damit tauschte, daß auch das völlig Un-brauchbare nicht verbessert werden dürfe, weil es zu sehr mit dem Ganzen verwach-sen sei. Diese Scheu vor allen Reformen, selbst den wohlthätigsten, entsprang, wieauch in andern Landern, theils aus der tragen Unwissenheit, welche die Mühe derUntersuchung und noch mehr die Störung des gedankenlosen Fortschleichens in dengewohnten Gleisen haßt, theils aber aus einem noch verwerflichem Motive, demselbstsüchtigen Bestreben, sich die ungerechten Vortheile nicht nehmen zu lassen, zuderen Gewinn ein Theil der Gesellschaft die Mangel der Verfassung und Verwal-tung benutzt. Je nothwendiger und vernunftgemäßer eine Reform ist, desto heftigerist von dieser Seite der Widerstand, und nirgend konnte er größer sein als in Eng-land, weil nirgend die Vortheile größer waren, welche aus der UnVollkommenheitder Staatseinrichtungen für einen kleinen Theil der Nation, nämlich für die Fa-milien der großen Grundeigenthümer und des hohen Adels, entsprangen. Daherhatten jene einzelnen Stimmen, selbst wenn sie auch im Parlamente erhoben wur-den, keine Kraft; man betrachtete sie fast als unschuldige Übungen, gutgemeinteThorheiten des Studirzimmers, der sogenannten müßigen Köpfe, d.h. Derer, welcheaus dem Geschäftsleben, aus dem Rausche der Gesellschaft und des Sinnengenussesnoch einige Zeit zum Nachdenken zu retten suchen, oder welche noch nicht in denStrudel des Weltlebens untergegangen sind. So wurden früher die Anträge deswackern Wilberforce zu Abschaffung des die Menschheit entehrenden Sklavenhan-dels betrachtet, und so kämpfte Sir Samuel Nomilly vergebens für eine, uns fastgering scheinende Verbesserung der bis zum Abenteuerlichen harten und verkehrtenEriminalgesetze. Wenn auch im Hause der Gemeinen ein Sieg über das Veralteteerrungen war, so wurde er gewöhnlich in dem Oberhause wieder vereitelt, weil hiernoch mehr Mitglieder als dort durch das Interesse ihrer Familien und durchVorurtheil gegen jede Veränderung eingenommen sind. Auch in dieser Hin-sicht war es dem unvergeßlichen Canning vorbehalten, die erste Bahn zu brechen,wozu die glückliche Vereinigung mit dem Grafen Liverpool und Sir RobertPeel nicht wenig beitrug. In dieser Verbindung des überwiegenden Talentsmit der Erfahrung und Besonnenheit Liverpool's und der Rechtskennmiß Peel'slag die moralische Kraft, welche dazu gehörte, einen Widerstand zu überwin-den, der um so hartnäckiger war, je weniger er selbst von klarer Einsicht undgutem Willen ausging. Eine bloße Nebensache war es dabei, ob die Reform derGesetze durch eine Reihe einzelner Verordnungen oder in der Form umfassender undsystematischer Gesetzbücher ausgeführt werden sollte. Denn wenn so viele ältereGesetze durch neue ersetzt werden, welche auf einmal und mit gehöriger Berücksichti-gung ihres Ausammenhanges entworfen werden und dabei dem Ganzen der Gesetz-gebung einen völlig neuen Charakter geben sollen, so ist es wol gleichgültig, ob siedie äußere Gestalt eines Gesetzbuchs haben oder nicht; die Sache bleibt immerdieselbe.
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