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Einsiedel (Detlev, Graf von)
sein volles Vertrauen schenkte. Hatten redliche Vaterlandsfreunde Jahrefrüher, als die Selbständigkeit des Staats mit schweren Opfern war gerettet wor-den, das Bedürfniß einer Veränderung der veralteten Verfassung des Landes ge-fühlt, hatten viele Stimmen, wenn auch aus Achtung vor der Persönlichkeit desKönigs, der unter dieser Verfassung 50 Jahre lang viel Gutes gewirkt, nurschonend angedeutet, daß nach solchen Stürmen und Zerrüttungen eingreifendereHeilmittel angewendet werden müßten, als nach den Leiden des siebenjährigenKriegs ausreichten, und daß die Zeit einer völligen Umgestaltung des Staats ge-kommen: so wurde dieses Bedürfniß nur tiefer empfunden und um so lauter aus-gesprochen, da seitdem auch in Sachsen die Macht der öffentlichen Meinung er-starkt und die politische Einsicht durch die großen Erfahrungen der Zeit gewachsenwar. Fühlte man nun immer mehr den nachtheiligen Einfluß abgenutzter undhemmender Verfassungsformen auf den Gang der Verwaltung, so war der Mann,der das Ruder des Staats führte und allwaltend zwischen dem Fürsten und demVolke stand, einer um so strengern und zuweilen auch wol ungerechten Beurthei-lung ausgesetzt, und die öffentliche Meinung konnte um so leichter ihn als dasHinderniß der gewünschten Veränderung ansehen, je deutlicher sich seit 1815 einKampf des Alten und des Neuen offenbart, und je mehr man dem ersten Staats-beamten einen bedeutenden Antheil an dem Siege des Alten zugeschrieben hatte.Wie stark die öffentliche Meinung geworden war, zeigte die kräftige Opposition,die sich auf dem Landtage 1830 gegen ihn erhob. Die Umstände, welche denMinister vom Schauplatze des öffentlichen Lebens verdrängt haben, mußten derStimme der Leidenschaft weit mehr Gehör verschassen als der ruhigen Beurthei-lung, und auch in diesem Augenblicke fließen die Quellen noch nicht so klar, daßein völlig genügendes Urtheil über ihn und sein Wirken gefaßt werden könnte. Eslag größtenteils an den Mängeln der Verfassung, die weder eine wirksame Volks-vertretung, noch eine auf diese gestützte Verantwortlichkeit der höchsten Staats-beamten, noch auch das Correctiv dieser Mängel, die Preßfreiheit, kannte, daßdes Ministers Einfluß überwiegend werden konnte. Ein Hauptvorwurf, der ihmfrüher im Stillen, seit dem Sept. 1830 aber in öffentlichen Beschwerdeschristengemacht wurde, ging dahin, daß er feine amtliche Stellung nicht sorgfältig genugvon seinen Privatverhältnissen getrennt habe, und gerade dies, besonders die Be-günstigung seiner Eisenwerke, ward ein Hauptmoment in der Geschichte seinesöffentlichen Lebens. Es ist Thatsache, daß die Erzeugnisse jener Eisenwerke zuallen öffentlichen Anlagen, z. B. bei dem erzgebirgischen Bergbau, bei der Einrich-tung der Gasbeleuchtung zu Dresden, vorzugsweise, und wie man behauptete,zum Nachtheil der erzgebirgischen Eisenhütten, benutzt worden sind, und es magsein, daß manche Anstalt befördert wurde, weil das Privatinteresse des Grafen da-bei betheiligt war. Aber ebenso wahr ist es auch, daß die Staatscassen dabei nichtübervortheilt wurden, daß, wie Jemand treffend gesagt hat, „das ministerielleEisen an Güte und Preis jedem andern die Wage hielt", und wohlfeiler als erzge-birgische und voigtländische Gußeisenwaaren geliefert wurde, und auch nach 1830geliefert wird. Es konnte indeß nicht fehlen, daß das bedeutende Fabrikinteressedes Grafen von E. zu vielfachen Mißdeutungen Anlaß gab, um so mehr, da ge-werbliche Zunftinteressen sich dadurch verletzt glaubten; aber nur wenn die Behaup-tung gegründet wäre, daß er nicht lange vor 1830 um das ausschließende Rechtzur Anlegung eines Hohofens in Sachsen angesucht habe, würde das Gewicht deserwähnten Vorwurfs verstärkt werden. Weit gegründeter dürfte der Vorwurf sein,daß der Graf durch seine Hinneigung zu der pietistischen Partei, welcher die Mehr-heit des sachsischen Volks abgeneigt war, sich habe verleiten lassen, Anhänger der-selben zu geistlichen und akademischen Ämtern zu befördern, Männer von entgegen-gesetzter Ansicht aber auszuschließen, und selbst seine erklärten Verthcidiger haben
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