732 DumonL
Das Ministerium billigte den Entschluß in mehren officiellen Schreiben. Alsjedoch der Handelsminister d'Argout bald darauf die Deputirten des Rhonedepar-tements zu sich berief und ihnen seine Misbilligung des Tarifs bezeigte, fühltensich die 20 Fabrikanten, die den Tarif nicht angenommen, durch die Meinungdes Ministers stark, sie gewannen noch 30 ihrer Genossen; Alle zusammenbestimmten noch 50 Andere zur Unterschrift der berüchtigten Eingabe der 104.Gereizt durch die Machinationen dieser Kaufleute, sannen die Arbeiter aus Ra-che. Der Präfect wollte sich darüber mit dem General Noguet besprechen, deraber Feindschaft gegen ihn hegte und ihm erwidern ließ, er werde schon für dieRuhe der Stadt zu sorgen wissen. Am folgenden Tage, 21. Nav. 1831, brachder Aufruhr aus. Der Präfect, welcher das Volk beruhigen wollte, ward ge-fangen genommen, verwundet, endlich freigelassen; der General und die Li-nientruppen räumten die Stadt. Als der Kriegsminister Soult und der Kron-prinz vor Lyon erschienen, um die Stadt zur Unterwürfigkeit zu zwingen, war dieRuhe daselbst durch die klugen Maßregeln D/s langst wiederhergestellt. Es schien,als werde zwischen ihm und der Regierung noch langer ein freundliches Verhältnißobwalten. Der Kronprinz nahm ihn freundlich auf, uno man glaubte eineZeiflang,die Regierung werde D. eher belohnen als strafen. Allein Perier hatte in der Kam-mer, das „llournul 6es Uebrets" in einem Briefe aus Lyon, Vorwürfe gegen denPräfecken ausgesprochen, der dem Journal erwiderte: „Ihre Angaben sind ebensoungenau als die des Ministerpräsidenten." Er wurde nach Paris berufen, Perierbot ihm Beförderung an, wenn er schweigen wolle. An demselben Tage ließ aberder Minister von Neuem auf der Rednerbühne Vorwürfe gegen D. hören, derPräfect eilte in dem Seitengänge der Kammer auf ihn zu, nannte ihn einen Lüg-ner, wurde Tags darauf abgesetzt, und machte nun im December und Januardurch die Journale eins Reihe von Briefen bekannt, worin er die Sorglosigkeit undschwankende Politik des Ministeriums nachweist, die man als Hauptursache derUnordnungen betrachten müsse; er lieferte eine Geschichtserzählung der Ereignissedes 21., 22. und 23. Nov. 1831, schilderte seine Lage nach dem Abzüge derTruppen bis zur Ankunft des Kronprinzen, und in einem spätem Briefe die Vor-gänge, welche die Ankunft des Kronprinzen und Kriegsministers begleiteten undihr nachfolgten, und erstattete Bericht über die Ursachen seiner Verungnadigung.Diese talentvollen Briefe erregten durch ganz Frankreich die lebhafteste Aufmerk-samkeit. Die Ministeriellen suchten D. zu beschwichtigen und boten ihm Stellenan. Desto eifriger ward aber D. in seiner Opposition, bis er, des langen Streitesmüde und unpäßlich, sich auf seine Landgüter zurückzog, wo er günstigere Verhält-nisse abwarcet, da er überdies bei seinen glücklichen Vermögensumständen keinerministeriellen Huld bedarf. (15)
Dumont (Pierre Etienne Louis), geboren zu Genf den 18. Jul. 1759aus einer, seit alwc Zeit aus Frankreich geflüchteten reformirten Familie, verlor sei-nen Vater kurz nach seiner Geburt. Seine Mutter, aus der angesehenen Familievon Iltens im Canton Waadt, errichtete, mit Hülfe ihres Schwagers, Plince, unddes Pastors Dentaud, ein Erziehungsinstitut, um sich und ihre zahlreiche Familievor Noch zu schützen, und gab so ihrem Sohne die erste Erziehung; später besuchtedieser die Stadtschule und endlich die Akademie zu Genf. Er suchte bereits als Schü-ler die Mutter durch Unterricht, den er jüngcm Kindern ertheilte, zu unterstützen,und trat als Erzieher in das Haus des Herrn de la Rive- Sellon. Schon in einemAlter von 22 Jahren Prediger, zog er durch hinreißende Beredsamkeit fast alleZuhörer in seine Kirche. Sein jugendlich glühendes Gemüth nahm regen Antheilan den politischen Unruhen, welche 1781 Genfs Bewohner in Schrecken setzten.Kummervoll aus ihren Ausgang blickend, ergriff er mit Freuden die sich darbie-tende Gelegenheit, seine Mütter zu den in Petersburg verheiratheten Schwestern