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Erster Band (1832) A bis E
Entstehung
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Döbereiner

MW

solle durch zweckmäßige Wandgemälde seinen Aufenthalt in dem Carcer verewigen. ^Dieser nahm das große Dintenfaß und den Rührer daraus, und zeichnete in halber ^Lebensgröße und mit dem vortrefflichsten komischen Ausdruck auf der einen Wandden Raub der Sabinerinnen, auf dn andern Marius auf den Trümmern von Kar-thago, mit Schlafmütze und Thonpfeife nachdenklich dasitzend. Natürlich mußtevon dieser unberufenen Carcerverzierung ofsicielle Notiz genommen werden; in-dessen selbst die ofsiciellsten Gesichter gingen jedesmal in Kurzem in die behaglich,sten rein menschlichen Mienen über. Die Geschichte drang bis nach Weimar,selbst zu den Ohren des Großherzogs; und bei seinem nächsten Besuche in Jenabesah er selbst die Gemälde, die er auch sofort durch den Befehl, sie durch Schlie-ßung des Locals zu erhalten, höchst schmeichelhaft anerkannte und wirklich dadurch bisheute sicherte. Später hat D. in München mit vielem Beifall ein historisches Ge-mälde von größerm Umfange zur öffentlichen Ausstellung geliefert; dann im grö-ßern Publicum durch die vortrefflichen Caricaturen zu Fröhlich's Fabeln einenNamen bekommen. Die meisten dieser Darstellungen haben das heiterste Colorit,ein echt komisches Ensemble, eine deutliche und bis ins Einzelne hinaus getriebeneIdee, wenige sind berechnete Verstandessatyre, die große Mehrzahl echt künstlerischeAnschauungen. Dabei ist der Einfall, alle Charaktere durch Menschen mit Thier-gesichtern zu geben, neu und auf eine wahrhaft bewundernswürdige Weife durch-geführt, sodaß z. B. die verschiedenen Fuchsphysiognomien von der äußerstenSchlauheit und Superioritat des Advokaten bis zur unbedeutenden Pfiffigkeit derHofschranzen herab sich geltend machen. Neuerdings ist uns von diesem Künstlerin den „Alpenrosen" für 1832 neben einigen Caricaturen in der beschriebenen Artauch ein größeres Gemälde, Landenberg's Urphede, als eine der vortrefflichsten Er-findungen, die in diesem Bereiche kürzlich erschienen sind, geschenkt worden. (53)Döbereiner (Johann Wolfgang), Hofrath und Professor der chemi-schen Wissenschaften zu Jena, einer der berühmtesten jetzt lebenden Chemiker, geb.zu Hof am 13. Dec. 1780, gehört zu den Männern, welche sich fast ganz durcheignen Unterricht gebildet haben und ihren Ruf nur sich selbst verdanken. Er erhieltvon seinem siebenten bis zum fünfzehnten Jahr eine nur sehr dürftige gelehrteSchulbildung; er empfing dabei von seinem Vater (Ökonomie - und Forstverwal-ter auf dem Rittergute Bug) Unterricht in allen praktischen land- und forstwirth- öchischaftlichen Verrichtungen, und besuchte in seinen Erholungsstunden, aus besonderer ^Neigung für die mechanischen Gewerbe, fleißig die Werkstätten der Drechsler, ÄPTischler, Waffenschmiede und Künstler im Orte seines Schulunterrichts. Der >!GZufall führte ihn in seinem vierzehnten Jahr in das Laboratorium der Apotheke zuMünchberg, wo er so großes Interesse an zwei eben vorgenommenen chemischen MOperationen (Destillation eines ofsicinellen Wassers und Darstellung des Spiritus ^sulpburico-uetbereus) zeigte, daß der Laborant Veranlassung nahm, ihn zu fra-gen, ob er Apotheker werden wollte ? welches er freudig bejahte. Nach erhaltener ^älterlicher Erlaubniß begann er ein Jahr darauf beim Besitzer jener Apotheke, Lötz,seine pharmaceutischen Studien. Kraftig, lebensfroh und wißbegierig widmete ersich dem erwählten Fache mit so viel Liebe, daß er schon nach anderthalb Jahrenalle pharmaceutischen Geschäfte allein verrichten konnte und durfte; er studirte da-bei Hagen s „Lehrbuch der Apothekerkunft", verschiedene medicinische Schriften,die französische Sprache, und las Romane und Reisebeschreibungen. In seinemneunzehnten Jahre (1799) verließ er die pharmaceutische Schule und ging an denRhein, wo er, namentlich in Karlsruhe und Strasburg, sich der Sicherung seinerSubsiftenz wegen zwar hauptsachlich mit der pharmaceutischen Praxis beschäftigte,aber durch den ihm zu Theil gewordenen Umgang mit ausgezeichneten Natur-forschern und Ärzten, namentlich Cölreuter, Gmelin, Borckmann, Schrickel,Flachsland, Salzer, Nestler u. A., auf die Lücken seines Wissens aufmerksam ge-