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Erster Band (1832) A bis E
Entstehung
Seite
645
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Deutsche Literatur im Auslande

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tung vorübergingen. „Wilhelm Meister" fand erst kürzlich seinen gewachst-nen Übersetzer in Frankreich. Göthe's dramatische Schriften wurden zuerst 1821ins Französische übertragen; darauf folgten gelungene Übersetzungen seiner lyri-schen Gedichte, unter Andern von Melanie Waldor und Emile Deschamps, vondenen dem Erstem besonders der „Fischer" und der „König von Thüle", dem Letz-tern die „Braut von Korinth" meisterhaft gelangen. Auch Göthe's Selbst-biographie und viele andere seiner Schriften haben Übersetzer, Bearbeiter und Leserin Frankreich gefunden. Am beziehungsreichsten und vertrautesten gestaltete sichaber sein Verhältniß zu den französischen Naturforschern Cuvier, Geossroy deSt.-Hilaire und Edwards, mit denen er vielfach durch Briefe und Zusendungenüber seine naturwissenschaftlichen Studien, vornehmlich über die Metamorphosen-lehre der Pflanzen, verkehrte, welche letztere er noch im Sommer 1831 in derneuen, mit einer französischen Übersetzung von Soret versehenen Bearbeitung anGeossroy de St.-Hilaire und durch diesen an die pariser Akademie übersandte, dieihm durch ihren Secretair Cuvier dankte. — Zu den namhaftem englischen Über-setzungen Göthe'scher Werke aus früherer Zeit gehört die bekannte (in Blackwood's„LdilldurAk maga-ime" unlängst wieder abgedruckte) Übersetzung des „Götz vonB-wlichingen" von Walter Scott, der überhaupt seine literarische Laufbahn mirNachbildungen deutscher Dichterwerke begann und schon 1797 unter dem Titel:„William und Heller", die Bürger'sche „Lenore" wiedergab. Die größte Aufmerk-samkeit erregte jedoch Göthe's „Faust" in England, der zuerst von dem thatigenPhilogermanen, Lord Francis Levison Gower, ins Englische übersetzt wurde (zweiteAufl. London 1825, 2 Bde.). Der Übersetzer, bei vielen einzelnen Misgriffennicht ohne Gewandtheit, ermangelt aber, wenigstens zu einer Übersetzung des„Faust", zu sehr der eignen poetischen Begeisterung und Fülle, und seine Arbeitist daher etwas nüchtern ausgefallen. Auch hat er viele wichtige Stetten der Tra-gödie, unter andern eine sehr wesentliche im Prolog im Himmel, in seiner Über-setzung ganz ausgelassen und dadurch das Original nicht wenig entstellt. Bedeu-tender istShelley's Übersetzung mehrer Fragmente aus dem „Faust", besonders desPrologs im Himmel und der Blocksbergsscenen, welche sich in seinen „?ostüu-inous poems" (London 1824) mitgetheilt findet. Shelley (s.d.) verstandzwar nur unvollkommen Deutsch, ersetzte diesen Mangel aber durch einen sehrfeinen und geistreichen Takt, der ihm viele Schwierigkeiten glücklich besiegenhalf. Er hatte diese Übersetzung indeß nicht für den Druck bestimmt, und sie wurdedurch ungeschickte Hände, in die sein Nachlaß gerieth, ziemlich fehlerhaft abge-druckt. Von einzelnen englischen Übersetzungen Göthe's ist außerdem noch dieÜbertragung vieler lyrischen Gedichte von dem Jrländer Anster, dessen Nachbil-dung der „Braut von Korinth" besonders gerühmt wird, sowie die des „Tasso"von Des Voeux (Edinburg 1827) zu nennen. Auch Göthe's Leben erschienenglisch. Eine treffliche Gesammtbeurtheilung Göthe's gab aber das „l^ortüAmerican review" schon 1824, in der besonders die vielen eingestreuten Über-setzungen der schönsten lyrischen Poesien unsers Dichters wahrhaft ausgezeichnetund geschmackvoll sind und ihrer sinnreichen Aneignung wegen auch von jedemdes Englischen kundigen Deutschen mit Vergnügen gelesen werden dürften. Auchstellt der Verf. dieses Aufsatzes einige interessante Bemerkungen darüber an, warumGöthe'sche Poesie in Amerika keinen innigem Anklang finden könne, indem ermeint, daß der Dichter immer nur solche Gemüths- und Gefühlszustände male,in die nur der Leser einzugehen im Stande wäre, welcher selbst unter gleichen Ver-hältnissen der Civilisation und Gefühlsverfeinerung lebe, die aber dem Bewußtseindes praktischen Amerikaners noch gänzlich fremd geblieben seien. — Ins Italie-nische wurde bisher nur wenig von Göthe übersetzt. Außer einer frühern Über-tragung des „Tasso" von Sorelli (Floren; 1820) erschien kürzlich von der sehr