536 Deutsche Kunst
mann, der gelehrte und kunstsinnige Professor Thiele in Kopenhagen, hat einbiographisches Werk begonnen, das eine genaue Aufzahlung und gründliche Dar-stellung sämmtlicher Werke des Künstlers gibt, die zugleich dem Auge durch Um-risse vorgeführt werden. Von der Verdeutschung des danischen Textes, mitden Abbildungen der Originalausgabe, ist der erste Theil unter dem Titel:„Thorwaldsen's Leben und Werke" (Leipzig 1832, Fol.), erschienen. Von T.'sdeutschen Schülern nennen wir: VonderLaunitz aus Kurland (Mercur, Ve-nus, die ihre Leier stimmende Muse, lebensvolle Büsten); Freund, aus demHerzogthume Bremen gebürtig und zu Kopenhagen in der Akademie gebildet(Mercur, Kopf einer Flora, Entwurf eines Frieses mit vortrefflich ersundenenDarstellungen aus der nordischen Göttersage); Joseph Herrmann, geb. zuDresden um 1800 (zwei schöne Basreliefs: Medea, dem Jason den Weg zumgoldenen Vließe zeigend; Theseus, den Stein umwälzend, unter welchem er diePfander seiner Geburt findet; Büste des Bischofs Dalberg von Worms für dieWalhalla; eine kolossale Statue des Jupiter Custos für die Spitze des Frontonseines neuen Landschaftshauses zu Schwerin, in Sandstein ausgeführt; Büste desKönigs Friedrich August). — Als Professor der Bildhauerkunst lebt in NeapelSchweikle, geb. zu Stuttgart um 1780; unter Dannecker und Scheffauergebildet, ging er nach Paris und dann nach Italien, wo 1805 fein Amor inLebensgröße, jetzt im Besitze des Königs von Würtemberg, allgemeines Auf-sehen erregte. In Neapel hat er später zwei kolossale Marmorstatuen, der Reli-gion und des heiligen Ludwig, für die neuerbaute Kirche des heiligen Franz vonPaula ausgeführt. Anhaltende Kränklichkeit hat diesen ausgezeichneten Bild-hauer Jahre lang an der Ausführung der ihm gegebenen Aufträge verhindert. —In Deutschland war bisher eigentlich nur Eine große Bildhauerschule, in Berlin,an deren Spitze, nächst Schadow, Rauch und Tieck stehen. Christian Rauch,Professor der Bildhauerkunst an der Akademie, geb. zu Arolsen im FürstenthumeWaldeck 1777, hat in allen seinen frühern Leistungen reinen Natursinn, scharf-sinniges Durchdenken und poetische Behandlung der Gegenstände gezeigt. Wahr-heit, Kraft und Anmuth sind seinen Bildern eigen. Mit besonderm Glücke hat erdas moderne Costume, z.B. bei den preußischen Feldherren, bei dem PredigerFranke u. s. w. beizubehalten, den Soldatenmantel um die Generalunisorm zuwerfen, die Falten des Predigerrocks schön zu legen, und seine Werke dadurch inzeit- und kunstgemäßer Form auszuführen verstanden. Zu seinen jüngsten Arbeitengehören außer mehren Büsten, z. B. Zelter's und Schleiermacher's, die kolossaleStatue des Königs Friedrich Wilhelm I. zu Gumbinnen und das Monument fürAugust Hermann Franke, den Stifter des hallischen Waisenhauses, in einem Hofedesselben, beide in Erz gegossen. In Marmor hat R. sein Denkmal der KöniginLouise von Preußen wiederholt, worin der Meister sich selbst übertroffen zu haben ge-rühmt wird. Er ist jetzt mit Ausführung des von der Stadt München bestelltenMonuments auf den König Maximilian Joseph von Baiern beschäftigt, welcher,im Königsmantel, vom Throne herab, sein Volk segnet und von den symbolischenFiguren der Lnvnria und ^eiicitas pudücn umgeben ist. Unübertrefflich wahr istsein kleines Standbild Göthe's im Hausrock. R. hat ferner die Modelle zu Denk-mälern des heiligen Bonifatius für die Stadt Fulda, der polnischen GlaubensheldenNieczislaus und Boleslaus, und Albrecht Dürer's für Nürnberg gefertigt. Dergrößte und glänzendste Auftrag ist ihm jedoch vom Könige von Preußen im Jahre1830 gegeben, nämlich zu einer mit Reliefs geschmückten Säule, der trajanischenähnlich, auf welche die Statue Friedrichs des Großen zu stehen käme, Vorschlagezu machen.— Christian Friedrich Tieck, Professor der Bildhauerkunst an der ber-liner Akademie der bildenden Künste, geb. zu Berlin 1776, hat die Natur und dieAlten gründlich studirt, und feine Arbeiten sind mit seltener Vollkommenheit aus-