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gegenftellte und an der Spitze von ungefähr 4000 Mann einen ganzen Tag langeine Macht von 60,000 Mann aufhielt. Diese glanzende Waffenthat verschaffteihm die Würde eines Brigadegenerals. Als Skrzynecki gegen die russischen Gar-den vorrückte, erhielt D. den Befehl, die Brücke bei Ostrolenka anzugreifen, die vonden Russen besetzt war und die man bis dahin für eine unbezwingliche Stellunggehalten hatte. Er begann den Angriff in der Nacht an der Spitze neu ausgeho-bener Kriegsvölker, und nach einem vierzehnstündigen hartnackigen Kampfe ver-trieb er die Feinde. Darauf kam er mit seinem Corps zu der Heerabtheilung desGenerals Gielgud, die Lomza besetzt hielt, und nahm nicht Theil an der mörderi-schen Schlacht bei Ostrolenka, die bald nachher zwischen den beiden Hauptarmeengefochten ward. Der Ausgang dieses Kampfes verurtheilte D. fortan das Schick-sal der Division Gielgud zu theilen, welche, nachdem sie unter den schönsten Hoff-nungen in Lithauen eingedrungen war, bloß durch die Unerfahrenheit ihres Anfüh-rers ihren Zweck auf eine so unselige Weise verfehlte. Unter allen zu jener Heer-abtheilung gehörenden Generalen konnte allein D. mit dem Gedanken, auf daspreußische Gebiet überzugehen, um die Waffen niederzulegen, sich nicht versöhnen,als die Übrigen bereits zu diesem letzten Mittel entschlossen waren. Durch Muchund durch Verzweiflung stark, wollte er lieber ehrenvoll fallen als ohne Schwert-streich die Vertheidigung seines Vaterlandes aufgeben, und faßte den kühnsten,vielleicht verwegensten Plan, mitten durch ein Land, das von einem, seinen Streit-kräften zwanzigfach überlegenen Heere überschwemmt war, vorzudringen, um sichmit seinen Waffenbrüdern zu vereinigen, die unter Warschaus Mauern kämpften.Unvermögend, mit dem furchtbaren Feinde sich zu messen und auf dem geradenWege den Niemen zu erreichen, mußte er über 100 Stunden weit ins Innere desLandes vordringen und einen Umweg von 300 Stunden machen, um zu den Quel-len der Wilia und des Niemen hinaufzugehen. Dieser unerwartete Marsch verei-telte gänzlich die Plane des Feindes, der trotz allen seinen Streitkräften D.'s Corpsnie angreifem konnte. Am Ende des Jul. 1831 erschien D. plötzlich mit derkleinen Schar seiner Tapfern vor Warschaus Thoren. Seine Ankunft glich einemTriumphe; er wurde mit dem frohen Zurufe eines Volkes empfangen, das hinaus-zog, ihn zu bewillkommnen, und dieses letzten Trostes in dem Augenblicke bedurfte,wo sich Alles zu seinem Verderben verschworen zu haben schien. Er ward alsbaldzum Gouverneur der Stadt ernannt und erhielt darauf die Oberbefehlshaberwürdc,die er jedoch nur wenige Tage besaß. Man behauptet, er habe am Tage nach derMord-nacht vom 15. August den kühnen Plan gefaßt, sich zum Dictator zu erheben unddie gesammte öffentliche Gewalt in sich zu vereinigen, um alle Kräfte gegen den ge-meinschaftlichen Feind zu richten. Ob durch vorlaute Mittheilungen, durch Mangelan dem nöthigen Beistande, oder durch zu langsame Ausführung, genug, jener Ent-schluß wurde vereitelt, der Polens Unabhängigkeit vielleicht noch einmal gerettethaben würde. D. ging mit Rybinski's Corps nach Preußen, und das Schicksalaller Ausgewanderten theilend, lebt er jetzt in Frankreich. Er hat ein aufgeregtesWesen und spricht mit lebendigem Ausdruck. Eine zuweilen bis zur Heftigkeit ge-steigerte Offenheit, eine unermüdliche Beharrlichkeit in der Ausführung seiner Un-ternehmungen, Kaltblütigkeit in der Stunde der Gefahr, eine unbegrenzte Vater-landsliebe, dies sind die hervortretenden Züge seines Charakters. Bei einem unge-mein glücklichen Gedächtnisse ist er mehrer Sprachen mächtig, die er ebenso gutschreibt als spricht. Er beschäftigt sich jetzt mit der Anordnung seiner Denkwürdig-keiten, welche bei dem bedeutenden Antheil, den er an den Ereignissen der letztenJahre genommen hat, viel Licht auf die Geschichte jener wichtigen Zeit werfen müs-sen. Ein Bruchstück derselben erschien, nach D.'s mündlichen Dictaten von R. O.Spazier herausgegeben, unter dem Titel: „Mein Feldzug nach und in Lithauenund mein Rückzug von KurSzany nach Warschau" (Leipzig 1832).