582 Delbrück (Johann Friedrich Ferdinand)
nach Deutschland zurück, zunächst nach Prag, dann nach Berlin, wo er seine Thä-tigkeit vorzugsweise der Louisenstistung als einer ihrer Vorsteher widmete. Hiergewann eine in dieser Anstalt gebildete junge Erzieherin, Louise Meyenburg, seinHerz, und 1815, wo D. bereits im siebenundvierzigsten Jahre stand, wurde eintrotzder Verschiedenheit des Alters sehr glückliches Ehebündniß geknüpft, aber schon 1823durch den Tod der Gattin gelöst. Die wieder rege gewordene Neigung zum Pre-digeramte bewog D., nach Ablehnung mancher Antrage zum Eintritt in den Staats-dienst, 1817 das Pastorat an der Michaeliskirche zu Zeitz und die damit verbun-dene Superintendentur anzunehmen. Auch in diesem Wirkungskreise, der fürD. manche aus seinem gewissenhaften Eifer entsprungene Kampfe herbeiführte,erwarb er sich volle Anerkennung und Liebe, bis zum Ende seines Lebens, den 4.Jul. 1830. Nie hatte die königliche Familie aufgehört, ihn durch zahlreicheBeweise der Huld zu beglücken, aber die wahrhast rührende Zuneigung desKronprinzen bewahrte sich nicht nur bei der unerwarteten Todesnachricht durchdie Äußerungen des lebhaftesten Schmerzes, sondern noch fortdauernd in der groß-müthigsten Sorge für die Kinder des Verstorbenen, einen Sohn und eine Tochter.Als Schriftsteller ist D. nicht besonders thätig gewesen. Vielleicht war hierbei diegroße Regsamkeit seines Geistes der Ausdauer hinderlich, welche zur Hervorbrin-gung größerer Werke unentbehrlich ist. Glücklicher wirkte er durch die Zunge alsdurch die Feder, und am meisten durch seine gediegene Persönlichkeit. Wir besitzenvon ihm außer einigen kleinern Schriften: „Ansichten der Gemüthswelt" (Magde-burg 1811). (23)
Delbrück (Johann Friedrich Ferdinand), Bruder des Vorigen, geborenden 12. April 1772 zu Magdeburg, verlebte eine durch körperliche Leiden sehr ge-trübte Kindheit, in welcher allein die treueste Mutterpflege ihn erhielt. Als er end-lich genesen das Domgymnasium besuchen konnte, erfreute er sich in einem nochhöhern Grade als sein alterer Bruder der regsten Einwirkung Funk's auf seine IAusbildung. Zu Ostern 1790 bezog er die Universität Halle und widmete sich dortbis Ostern 1794 fast ausschließlich den humanistischen Studien. Im Niemeyer'-scken Hause, wo er nicht bloß wohnte, sondern auch als Familienglied betrachtetwurde, durste er den ersten Docentcn der Universität und vielen geistreichen Per-sonen naher treten, zu welchen auch Johannes Falk gehörte, mit dem sich ein ver-trauter Umgang entspann. Nachdem D. Halle verlassen, übernahm er die Stelleeines Erziehers der Kinder des damals zu Eutin lebenden Grafen Friedrich Leopoldzu Stolberg und kam eben hierdurch auch in eine Verbindung mit I. H. Voß,die wol noch bedeutender geworden sein würde, wenn D.'s Verhältniß zu demStolberg'schen Hause nicht durch gegenseitige Übereinkunft, großer Verschieden-heit in den religiösen Ansichten wegen, sehr bald wäre aufgehoben worden. Nacheinem kurzen Aufenthalt in Kiel ging D. nach Hamburg als Erzieher der Kinderdes dortigen Senators Meyer und verlebte in der gebildeten Familie desselben ei-nige sehr glückliche Jahre; höchst einflußreich auf ihn ward aber fein Aufenthalt inHamburg durch den Umgang mit Klopstock. D. sehnte sich indeß nach einem grö-ßern Wirkungskreise und mehrer persönlicher Unabhängigkeit; erfolgte daher 1797gern einem Rufe nach Berlin, wo er als Lehrer beim grauen Kloster angestelltwurde. Noch jetzt rühmen seine damaligen Schüler dankbar das ungemein Anre-gende seiner Unrerrichtsweise; aber auch er selbst ward des heilsam Anregenden undBildenden inne, welches Berlin mit der Fülle seiner wissenschaftlichen und Kunst-mittel und den Reizen angenehmer Geselligkeit dem Empfänglichen darbeut. DieseReize vermochten jedoch nicht ihn seinen angestrengten wissenschaftlichen Forschun-gen zu entziehen, und er vergaß sie oft geraume Zeit hindurch in der Einsamkeitseines Arbeitszimmers. Er wurde 1809 als Regierungs- und Schulrath bei derRegierung zu Königsberg in Preußen und zugleich bei der dortigen Universität als