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Erster Band (1832) A bis E
Entstehung
Seite
568
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568 Dampfwagen

Wagen mit der Geschwindigkeit von fast einer deutschen Meile in einer Stunde.Die Kessel und Heizröhren der Stephenson'schen, in neuern Zeiten vielfach ver-besserten Maschinen bestehen aus Blech, und der erstere ist mit hölzernen Faß-dauben umgeben, um die große Abkühlung des stets einem starken Luftzug aus-gesetzten Haupttheils der Maschine zu vermindern. Das Wagengestell besteht ganzaus Gußeisen. Die rasche Verbrennung der Steinkohlen beförderte Stephensondadurch, daß er die benutzten Dampfe an den tiefsten Punkt des Kamins als einenStrom eintreten laßt, wodurch ein starker Luftzug in demselben bewirkt wird.

Die großen Vortheils der Anwendung von Dampfwagen sind demnachlangst entschieden. Pferde sind gar nicht im Stande, mit so concentrirter Kraftgroße Lastembei ausdauernder Geschwindigkeit zu bewegen, als die von den Eng-landern mit dem Namen Dampfpferde bezeichneten Maschinen, die nur Stein-kohlen verzehren und daher nicht den Platz zum Anbau von Getreide, das zumLebensunterhalt der Menschen dient, rauben. Einen besondren Ausschwung hataber die Benutzung der Dampfwagen in der neuesten Zeit, nach Vollendung dergroßen Eisenbahn zwischen Liverpool und Manchester *), und durch den Wettlauferhalten, den die Directoren dieses großen Werks veranstaltet hatten, indem sieeine Prämie von 500 Pf. St. demjenigen Dampfwagen zahlen wollten, wel-cher bei einem anzustellenden öffentlichen Versuch auf der Eisenbahn ein ge-gebenes Gewicht mit der größten Geschwindigkeit und den wenigsten Kosten fort-ziehen würde. Dieses erregte einen gewaltigen Eifer unter den Mechanikern.Fast in jedem Theile des Landes gingen die Maschinenbauer ans Werk, um denPreis zu gewinnen. Fünf Dampfwagen wurden dargeboten, den Wettlauf ein-zugehen. Die Bedingungen der Preisbewerbung waren, daß jede Maschine nichtmehr als 120 Centner wiegen und auf einer geraden Ebene ein Gewicht, dasihrem eignen Gewichte drei Mal gleich sei, nicht weniger als 10 englische (24deutsche) Meilen in der Stunde fortziehe. Es kamen folgende ausgezeichnete Maschi-nen am 6. Ott. 1829 zur Mitbewerbung: Die Rocket von Stephenson in New-castle, eine große und stark gebaute Maschine, die eine Last von ungefähr 250Centnern über 2^ deutsche Meilen in der Stunde fortzog, aber den Fehler einerzu ungleichen Geschwindigkeit hatte. Ohne Last durchlief sie fast 4 Meilen ineiner Stunde. Die zweite Maschine war die ?<c>velt)' von Braithwaite undEricsson in London. Sie war sehr schön und leicht gebaut und hatte die eigen-thümliche Einrichtung, daß ein mächtiges Geblase die Wirkung des aus Coaksentwickelten Feuers verstärkte, und daß der Wasserbehälter unter dem Wagenangebracht war, wodurch der Schwerpunkt unter die Linie der Centralbewegunggebracht wurde. Sie durchlief ohne Last, nur ihren Bedarf an Coaks und Wassermit sich führend, 6 deutsche Meilen in einer Stunde; mit einer Last von 225Centnern durchlief sie 44 Meilen in einer Stunde. Der 8uuspureil von Hack-worth wog freilich mehr als jene beiden Maschinen, zog aber auch eine Last von860 Cenrnern mit einer Geschwindigkeit von 3 Meilen in der Stunde. DieZuerkennung des Preises schwankte zwischen der Rocket und der^velt/, letz-tere wurde aber bei zwei Versuchen schadhaft und zog sich von der Preisbewerbungzurück; der Luuspureil war zu schwer, weshalb Stephenson, dessen Maschinenicht nur allen Foderungen genügt, sondern dieselben übertroffen hatte, der Preiszuerkannt wurde. Er hat seine Maschine später so sehr verbessert, daß er imStande ist, 400 Centner mit einer Geschwindigkeit von 44 deutschen Meilen ineiner Stunde fortzuschaffen. Auch die Erbauer der i^oveltv haben ihrenDampswagen seit der Wettfahrt fehr vervollkommnet. Aber auch zum Herauf-

*) Sie wurde angelegt, um die beschwerliche, langwierige und kostbare Fortschaf-fung von Gütern auf dem Bndgewatercanal oder dem Mersey -Jnvell-Canale zu

vermeiden. D. Red.