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Erster Band (1832) A bis E
Entstehung
Seite
553
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Czartoryöki 553

Sehers, von den Vortheilen, welche constitutionnelle Verfassungen, wenn sievon Fürst und Landesvertretern mit Gewissenhaftigkeit ins Leben geführt undmit unerschütterlicher Treue aufrecht erhalten werden, über die Völker verbreitenmüßten. Doch wie bald sah er seine Hoffnungen schwinden. Einige Studirendeauf der Universität zu Wilna, zu deren Curator C. gleich anfangs ernannt wor-den war, wurden 1821 demagogischer Umtriebe beschuldigt. C., der das Wesenund den Geist der Universität genau kannte, vertheidigte die jungen Leute mitWarme und widerlegte die Anklagen. Nowosi'lzoss aber gab bei seiner Ankunftder Untersuchung eine andere Gestalt. Mehr als 60 junge Leute wurden ohneVerhör ins Gefängniß geworfen, viele Söhne aus den angesehensten Familien Po-lens als gemeine Soldaten unter russische Regimenter gesteckt und noch mehrenach Sibirien oder in die Militaircolonien abgeführt. Ein Mann wie C. konnteseine Stelle an einer so behandelten Hochschule nicht länger beibehalten. Er kamum seine Entlassung ein. Der schönste Ruhm, der ihm bei dieser Gelegenheit zuTheilward, ist, daß Nowosilzoff in seinem Berichte an den Kaiser schrieb:koprince (^artor^slä, occupant 1a place cke curateur Ue l'uuiversits Ue VLilua,a iait reculer au inoins cls cent aus 1'amalFame eutre 1a seuuesse litlmaniennoet les Kusses." Von nun an lebte der Fürst, von allen Geschäften zurückgezogen,nur den Wissenschaften auf seinem herrlichen Stammsitze Pulawy. Er kaufte nachdem Tode des berühmten Philanthropen und Literators, Grafen Thaddäus Czacki,dessen mit seltener Auswahl gesammelte Bibliothek, die, mit der Czactoryski'schenvereinigt, einen der reichsten Literaturschätze für slawische Geschichte darbot, derjemals gesammelt worden war. Eine in dem Tempel der Sibylla im Schloßparkszu Pulawy angelegte Sammlung altsarmatischer Rüstungen und vaterländischerAlterthümer, verbunden mit modernen Bildwerken und andern Gegenständen derKunst, machten den Landsitz des Fürsten zu einem wahren Museum, das jedem Ge-bildeten offen stand. Seit dem 30. Nov. 1830, wo die Morgenröthe der FreiheitPolens anzubrechen schien, war jeder Tag, jede Stunde, jede Minute dem Dienstedes Vaterlandes gewidmet. Noch in jener verhängnisvollen Nacht vom 29. zum30. Nov. versammelte Lubecki, um den Greueln einer blinden Volkswuth vorzu-beugen, einen Administrationsrath in Warschau, zu welchem er C. als Denjenigeneinlud, der in der Gunst des Volkes am höchsten stand. Von nun an stand C. ander Spitze der Regierungsgeschäfte. Am 2. Dec. setzte der Administrationsracheine Verproviantirungscommission nieder, um für die Aulänglichkeit der Haupt-bedürfnisse der Stadt und des Landes Sorge zu tragen. Als der noch hinter denBarrieren von Warschau aufgestellte Cäsarewitsch die Foderungen der Nation zukennen und einen Vergleich zu treffen wünschte, wurde kein Anderer als C. (nebstLelcwel, Lubecki und Wladislaus Ostrowski) gewählt, ihm den Wunsch des Volksvorzulegen, daß die Constitution des Reichs in ihrem ganzen Umfange aufrechterhalten und das frühere Versprechen des Kaisers erfüllt werden sollte, alle vonRußland erworbenen Provinzen des alten Königreichs Polen wieder mit demselbenzn vereinigen. Bald darauf zum Präsidenten der provisorischen Negierung ernannt,erließ C. ein allgemeines Ausschreiben zur Reichstagsversammlung auf den 18.Dec. 1830, foderte die verabschiedeten Soldaten auf, zu den Reihen ihrer Brüderzurückzukehren, richtete sein Augenmerk auf alle Theile der Staatsverwaltung undhauchte mit seinem energischen Geiste ein neues Leben in die Herzen der Freiheits-kämpfer, denn er wurde nebst Niemcewicz als der Nestor der wahren Polen verehrt.Am 30. Jan. 1831 zum Vorsitze der Nationalregierung berufen, brachte er überdie Hälfte seines Vermögens dem Vaterlande zum Opfer und hielt eine hinreißendeRede, worin er im Kampfe für die gute Sache auszuharren versprach bis zumTode. Doch selbst in den feurigsten Proclamationen, die er voll der wärmsten Va-terlandsliebe in den Tagen der Gefahr am 1. und 2. Iul. an die Nation erlassen