Collin 465
Unterdessen bilden sich neue Vereine gegen das naturwidrige Institut desCölibats. Achtzig der ausgezeichnetsten katholischen Geistlichen der Diöcese Triersind in einen Verein zusammengetreten, um, soviel in ihren Kräften steht, einezeitgemäße Reform in der Disciplin der deutsch-katholischen Kirche auf gesetzlichemWege zu erwirken. Der Eczbischof von Trier hat bereits gegen diesen Verein einenHirtenbrief erlassen, der von mancher Kanzel mit den Ausbrüchen des wüthendstenFanatismus von Seite der Finsterlinge den Gemeinden verkündet wurde. OhneZweifel wird dieser Schritt der geistlichen Behörde, wie der in Würtemberg gegenden Anticölibatsverein, keinen andern Erfolg haben, als daß alle Vereine dieser Artnur tiefere Wurzel schlagen und eher ihre edlen Früchte zur Reife bringen. DieseVorgänge haben auch auf Baiern wohlthätig gewirkt, und ein großer Theil derkatholischen Geistlichkeit dieses Landes wird bis zum Jahre 1836 sich vollkommenüberzeugen, daß es nur an ihr liegt, ein verhaßtes Joch abzuschütteln. Sie wird da-her zu Wahlmännern für den Landtag nur solche Männer wählen, deren Ansichtenin diesem Punkte unzweifelhaft sind, und die neben parlamentarischer Fähigkeit auchden Muth besitzen, unerschütterlich auf der Federung der Emancipation der katho-lischen Geistlichkeit von den Fesseln des Cölibats zu bestehen. Ebenso wenigals die letzte badische Deputirtenkammer, wird dann die bairische den hoch-wichtigen Gegenstand zurückweisen, und kaum wird es die Kammer der Reichsräthe,in deren Mitte selbst drei gezwungene Cölibataire sind, die durch ihre amtliche Stel-lung die schauerlichen Früchte des Cölibats kennen, wagen, den gerechten Wünschender Nationalkammer sich zu widersetzen. Mögen die wackern Bekämpfer desCölibats in Schlesien, Rheinpreußen, Rheinhessen, Rheinbaiern, in Baden undWürtemberg, muthig fortfahren, sich gegen ihn zu vereinen. Auch Leo X.schleuderte seine Bannstralen gegen Luther. Aber um so weniger'darf man sich inseinen Bestrebungen hemmen und irre machen lassen, um so eifriger vielmehr muß^ man fest und ruhig, den hellen Blick zum Ziele gerichtet, seinen Weg gehen, offenund furchtlos sein im Handeln, sowie treu der Überzeugung und dem Gewissen.Wo der Geistliche, welcher unsere Überzeugung theilt, diese nicht verleugnet, und dernoch Andersgesinnte nicht unchristlich und unduldsam ist, da äußert sich der offeneund natürliche Sinn des Bürgers und Landmanns. (46)
Collin (Jonas), dänischer Conferenzrath, Deputirter der Rentkammerund Mitglied der Finanzdeputation, wurde 1776 in Kopenhagen geboren. NachVollendung seiner akademischen Studien trat er 1796 in den Staatsdienst undblieb seitdem bei der Finanzverwaltung angestellt. Er lenkte die Aufmerksamkeitder Regierung und des Publicums auf den Trug der zahlreichen, sich immer ver-mehrenden Leibrenten- und Versorgungsanstalten, und zeigte, daß dieselben, aufunrichtigen Grundsätzen beruhend, täuschende Erwartungen erwecken und ihrenTeilnehmern Verluste bereiten. Ein Ausschuß, dessen Mitglied C. war, unter-warf die Einrichtung dieser Vereine einer gründlichen Prüfung, und der öffentlichbekannt gemachte Bericht desselben erschütterte den Credit jener Anstalten so sehr,daß sie aufhörten gefährlich zu sein. C. nahm als Mitglied des ehemaligen Finanz-collegiums thätigen Antheil an den Vorarbeiten der Verordnung vom 5. Jan. 1813,welche das durch den Krieg und andere verhängnißvolle Zeitverhältnisse zerrütteteGeldwesen ordnete. Als Mitglied und seit 1809 als Präsident der königlichen' Landhaushaltungsgesellschaft hat er sich um die Beförderung der Landescultur be-sonders verdient gemacht, indem er dieser vor 60 Jahren von patriotischen Bürgerngestifteten Anstalt eine umfassendere und eingreifendere Wirksamkeit gab, und diefrüher auf eine Menge geringfügiger Gegenstände vertheilten Kräfte derselben fürgrößere allgemeine Zwecke erfolgreich verwendete. So wurde das früher befolgtej Prämiensystem zum Theil aufgegeben, und von der Ansicht ausgehend, daß kleinerej Belohnungen wenig oder nichts ausrichten, hielt man es für nützlicher, den tüch-Conv.-Lex. der neuesten Zeit und Literatur. I. 36