460 Colebrooke Cölibat
C .'s Unternehmungen in neuern Zeiten, wo die entgegengesetzten politischen An-sichten immer mehr Gunst bei der öffentlichen Meinung fanden, sich merklich abge-wendet haben. Gegen die frühere Sitte der englischen Buchhändler, in ihren Ver-lagsunternehmungen sich auf gewisse Fächer zu beschränken, hat C. sich schonlange durch die Mannichfaltigkeit der von ihm herausgegebenen Werke ausge-zeichnet, doch besteht die Mehrzahl nicht sowol aus bedeutenden wissenschaftlichenWerken als aus historischen Memoiren, Reisebeschreibungen, unter welchen mehrevorzügliche sind, obgleich C. in dieser Hinsicht mit Murray (s. d.) nicht wett-eifern kann, besonders aber aus Romanen, worin er die fruchtbare Wuei-vaxres» überflügelt. Seit 1829 hat er sich mit dem Buchdrucker Richard Bent-ley verbunden.
Colebrooke (Henry Thomas), ehemals Richter zu Mirsapor in Ostin-dien und englischer Resident am Hofe von Berar, gegenwärtig Director der asia-tischen Gesellschaft zu London. Er ist der gründlichste Kenner der Sanskrit-sprache und der thätigste Bearbeiter der indischen Literatur, welchen es bis jetztgegeben hat. Zuvörderst sind zu bemerken seine in den „Asiatic researclios" ab-gedruckten, höchst schätzbaren Abhandlungen: über das Sanskrit und das Pra-krit, über die Metrik der Sanskritdichtungen, über die religiösen Gebräuche derJndier, über die Wedas, über die Erklärung alter indischer Inschriften. DieseAbhandlungen haben zuerst richtige Kenntnisse über die genannten Gegenständeverbreitet, und zeigen ebenso viel nüchterne Kritik als tiefe Sachkenntniß. C.'sRichtecamt führte ihn dazu, manche alte Rechtsbücher der Jndier herauszuge-ben, z. B. „Nitalcseliara clliarina sastra" (Calcutta 1813); „Da.vu dlraga, asanscrit treatise on iiilieritance" (Calcutta 1814); „Vira mltrocla^a, tlie le-Aal worll of Älitra Alislira" (Kizurpur 1815). Auch arbeitete er Übersetzun-gen einzelner indischer Rechtsbücher aus, z. V. cli^est of Ilinclit law <mcoutracts ancl sucoessions, witli a commentar)' 6/loAanliatliÄ Tereapanclia-nana" (4 Bde., Calcutta 1?9?); „'Translation of two treatises Olt tlie llincliilaw of inlieritance" (Calcutta 1810). Ferner gab er mehre indische Original-werke heraus, welche die Grammatik und Lexikographie der Sanskritsprache be-treffen, nämlich die berühmten grammatischen Sätze des Panini: „?anim SutraVrittri; tlie grammatical ajiliorisms of?anini, witli a eommentar^ in 8anscrit"(Calcutta), und das Wörterbuch „Awara Kosella", mit englischer Erklärung (Se-rampore 1803); auch „?onr sanscrit vocadularies, tlie Ainaraeoslia, Tri-cancla Seslia, llaravali, ancl Aleäini Oara" (Calcutta 1818). Eine Gramma-tik der Sanskritjprache verfaßte er selbst: Arammar of tlie 8anscrit lan-AusAe" (Calcutta 1805). Die Arithmetik und Astronomie der Jndier betref-fen folgende von ihm herausgegebene Werke: „AIZedra of tlie Ilinclus witliaritürnetic ancl mensuration froin tüe 8anscrit of örameAupta ancl Lliascara"(London 181?); „Translation of tüe Tilavati ancl ViAa^anita" (Calcutta 1818).Aus der schönen Literatur der Jndier hat er das von Bharawi verfaßte Gedicht:„Xiratarclsclninisa", herausgegeben, welches den Kampf des Helden Ardschunagegen wilde Völker beschreibt (Calcutta 1814). Über die Philosophie der Jndier,deren verschiedene Systeme und ihre mannichfachen Verzweigungen, die Werke,in welchen die Systeme vorgetragen sind, und die darüber geschriebenen Commen-tare hat Colebrooke die ersten genauem Nachrichten mitgetheilt in seinen Ab-handlungen: „On tlie pliilosopli^ of tlie Hinclus", welche in den „Transactionsof tüe ro^al asiatie societ^" (London 182? und 1830) abgedruckt sind. (36)
Colibat. Neueste Bemühungen zu dessen Abschaffung. Durch die lautenund zahlreichen Stimmen, die sich seit mehren Jahrzehcnden in Deutschland widerden Priestercölibat erhoben, besonders in den gediegenen Schriften von Theiner,Münch und Carove, die mit flammenden Zügen die verwüstenden Spuren, die