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Erster Band (1832) A bis E
Entstehung
Seite
416
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Chlopicki

er gehorchte ihm, obgleich er nie seine Anordnungen billigte, um dem schon des-organisirten Heere kein Beispiel von Insubordination zu geben. Der zu spat undplanlos aufWilna unternommene Angriff scheiterte, und die Neste des lithauischenHeeres mußten sich nach einer blutigen Schlacht längs der Wilia zurückziehen. AlsSubordination, Munition und Vertrauen auf gleiche Weise ausgegangen waren,gingen die polnischen Corps eines nach dem andern vor den verfolgenden Russenüber die preußische Grenze und lieferten ihre Waffen und Geschütze aus. C. folgteGielgud's Beispiel, das er, wenn auch nicht billigen, doch nicht andern konnte.Der Jähzorn eines getäuschten Patrioten erschoß Gielgud, dem man vorwarf, erhabe die ganze Expedition den Russen verrathen! Später warf derselbe blinde Fa-natismus alle Schuld auf C. Man darf nie einem Polen Glauben beimessen,wenn er einem Landsmanns Verrath vorwirft; ruhig und parteilos abwägendeGerechtigkeit war diesem unglücklichen Volke von je fremd, und nicht der fremdenÜbermacht, sondern eben diesem blinden Factionsgeiste ist es erlegen. C. hat sichin seiner zu Paris französisch erschienenen Darstellung des Feldzugs (lettre« llugenerell (llllcipovvslll 8iir ies evenemens inilltellres en?clloglie et en Illtllmnlle")als ein unterrichteter Militair, als ein gebildeter Geist, als aufrichtiger, aber auch alsbesonnener Freund seines Vaterlandes bewiesen. Seine Darstellung ist klar und spre-chend, und keinem ruhig prüfenden Ausländer ist die Möglichkeit eines Verrathsdenkbar, aber dennoch hielt sich bei der Quarantäne an der preußischen Grenze daspolnische Ossiziercorps von ihm entfernt. *) Er wird nach Posen auf seine Güterzurückkehren. Preußischerseits hatte man mit ungemeiner Schonung und Mildedie angedrohte Einziehung derselben verschoben, wohingegen C.'s Gattin mit edlemStolze den Commissairen Alles freiwillig überlieferte. C. ist noch in seinen bestenMannesjahren. (9)

Chlopicki (Joseph), ward im März des denkwürdigen Jahres 1772,in welchem die unheilbringende Theilung des polnischen Reiches begann, zu War-schau geboren. Noch nicht 1.) Jahr alt, trat er schon als Cadet in ein Infan-terieregiment. Das letzte Decennium des vorigen Jahrhunderts, welches dieSonne der Freiheit über Frankreich aufgehen sah, war der Zeitpunkt, wo auch inPolen, das in der Unterdrückung seine Kräfte verdoppelt fühlte, der glimmendeFunke der Unabhängigkeit zur Flamme aufloderte-, bald aber in der Schlacht vonMaciejowice (l(). Oct. 1791) erlöschen mußte. C. that sich 1792 in dem mörderi-schen Treffen bei Raclawice in Kosciuszko's Nähe so sehr hervor, daß ihn der großeNaczelnik vor der Fronte des Heeres umarmte. Bald darauf wählte ihn der Ge-neral Rymkiewicz zu feinem Adjutanten, und unter der Leitung dieses tapfern Feld-Herrn gewann C. bei aller Heftigkeit eines jugendlich aufbrausenden Wesens dieRuhe und Sicherheit, welche dem Ossizier in der Schlacht so große Vorthekle ge-währt, und in dieser Schule hat er ohne Zweifel schon den Grund zu seiner nach-maligen Fertigkeit im Organisiren und Ordnen gelegt, welche nebst seiner Recht-lichkeit und Einsicht ihn in unsern Tagen zu der höchsten Würde im Staate berief.Als nach dem Blutbade vor Praga (5. Nov. 1794) die Blicke aller Polen sichnach Frankreich wendeten, und General Dombrowski (1797) von Mailand auseinen Aufruf an die polnische Nation erließ, auf dem altclassifchen Boden Italiensein besseres Schicksal für ihr Vaterland abzuwarten, waren alsbald alle Polen un-ter den Waffen. In den Reihen der ersten Krieger, die sich freiwillig einstellten,war auch C., der nirgends fehlte, wo die Ehre und das Vaterland riefen. C.

*) Um indeß ein unparteiliches Urtheil über C.'S Benehmen in ?ithaucn füllen zu

Mislingen des Feldzugö zu.

D. Red.

K-