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Erster Band (1832) A bis E
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Chaves

schriften gehört. Die Vernunft eines Jeden soll die Grundregel seines Glaubens sein und das Evangelium allein bei dem Glauben als Richtschnur dienen. Die französische katholische Kirche glaubt ferner, daß man in jeder Religion selig werden könne, wenn man anders das erkannte Gute befolgt unddas Böse meidet. Ihre kanonischen Bücher sind die der altchristlichen Kirche.Sie schafft die von der römischen Kirche gegebenen Dispensationen in Ehe-sachen, im Fasten und der Enthaltsamkeit ab, hebt die Enthaltsamkeit aufund schreibt das Fasten nicht vor. Sie halt den Gottesdienst in der Landes-sprache. Ihre Verehrung der Heiligen beschrankt sich auf den Dank zu Gottfür den ihnen verliehenen Beistand. Sie laßt sieben Sacramente zu. In allendiesen Punkten weicht also die französisch-katholische Kirche von der römi-schen ab, und stimmt in denselben mit der anglikanischen, lutherischen undcalviniftischen Kirche überein. Doch unterscheidet sie sich von den beiden letzterndadurch, daß sie, wie die Anglikaner und die Römischkatholischen, die Hier-archie beibehalt. Zur nahern Kenntniß der neuen Religion dient dieProfessionde foi de 1'eglise catboliyue fron^mse" (Paris 1831). Das papstliche Breveist im ,,^nii de 1a religio«" übersetzt; einen Auszug daraus mit Bemerkungenfindet man imlournal des debats" vom 9. und imlüonstitutioimel" vom16. Dec. 1831. Die erwähnte Profession de foi ist unterzeichnet:Vu noin (Ineoncile soiiveram-apostoliljue-patriarcal et du patriarcbe, 1e primat-coadju-teur des (Gaules, Zferdinand-kron^ois Hüntel. ?ar inondement de i>I. I'evecpie,primat, 1'abbe V«20U." Bei der in einem großen Theile Frankreichs herrschenden Ab-neigung gegen den römischen Stuhl scheint sich für die französisch-katholische KircheDauer versprechen zu lassen, um so mehr als sie die Sympathien der französischenNation mit Liebe umfaßt, wie sie denn namentlich mehr als einmal beredte Wortezu Gunsten der Polen vernehmen ließ. Die Regierung befolgt gegen sie, andersals gegen die Saint-Simonisten, den Artikel 5 der Charte, welcher die Freiheit desCultus zusagt:Obacun protesse sa religio« avec une egale liberte, et ob-tient pour so« culte la meme protection". (15)

Chaves (Emanuel, Marquis von), früher Silveyra, Graf von Ama-rante, war das Haupt der migueliftischen Insurgenten, durch welche die Constitu-tion der Cortes gestürzt und Don Miguel auf den Thron von Portugal erhobenwurde. Aristokraten, Klerus und Mönche haßten die von dem Könige Johann VI.am 1. Ott. 1822 beschworene Constitution der Cortes. An ihrer Spitze stand dieKönigin, Donna Carlota, die Schwester Ferdinands VII. von Spanien; der In-fant Don Miguel, ihr Sohn, bot mit ritterlichem Much und jugendlichemFeuer zu jedem Gewaltmittel seinen Arm, um das Werk der Freimaurer wieman die Constitution nannte zu vernichten und die absolute Gewalt herzustellen.Die apostolische und ultraroyalistische Faction bereitete im Stillen Alles vor, umden Aufstand auf der ganzen Halbinsel zu organisiren. Die Beschlüsse des Con-gresses zu Verona und die Nachricht, daß ein französisches Heer nach Spanienmarschiren werde, beschleunigten den Ausbruch der Gegenrevolution. Ein Haupt-werkzeug der Faction war der eitle und fanatische Graf von Amarante. Einver-standen mit seinen Freunden in Lissabon und angeregt von seiner Molzen undkampflustigen Gemahlin, pflanzte er, nebst seinem Vertrauten Texeira, umgebenvon Soldaten und Bauern, am 23. Febr. 1823 zu Villa Real in der ProvinzTra; os Montes die Fahne der Jnsurrection auf. Bald vereinigte er drei Regi-menter. Nun erließ er am 1. März eine Proclamation, durch die er alle Portugie-sen zu den Waffen rief:Nieder mit der Constitution! Auf, befreit das Landvon den gottesräuberischen Despoten, die es unterdrücken!" Als aber Amaranteüber den Duero gehen, Braga besetzen und die Provinz Entre Minho e Duero in-surgiren wollte, kam ihm der constitutionnelle General Luiz do Rego zuvor und

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