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Braunschweig
tivMonarchie sein." Die Kammer der Senatoren aber entschied unter aller-dings tristigen Gründen, daß sie jetzt nicht genug Zeit habe, sich über diesenhöchst wichtigen Gegenstand auszusprechen, und denselben daher einer folgendenSitzung vorbehalte. So ward die große Parteifrage wenigstens verschoben, undam 1. Nov. 1831 die diesjährige Sitzung der Kammern von den Regenten geschlos-sen. Außer der Faction der Anarchisten, als deren obersten geheimen Leiter dasGerücht den Marquis von Barbacena bezeichnet, stehen jetzt in Brasilien zwei Par-teien einander schroff gegenüber: Föderalisten und Unitarier. Inmitten dieserfeindseligen Stellung ruht Brasiliens Zukunft auf dem Haupte eines Kindes, dasallein und verwaist, ohne Europas Reize und Vorurtheile zu kennen, die stolzestenErinnerungen der Vergangenheit, wo Portugals Helden Brasilien und Indien fürden Welthandel eroberten, an den alten erlauchten Namen Braganza knüpft unddabei ein geborener Brasi'lier ist! Wie lange aber wird der Zauber dieses Kindesnoch die Provinzen jenes großen Reichs zusammenhalten, in welchen alle Keime derTrennung und des Föderalismus unter einer schwachen Regentschaft fortwuchern?Die einzige Schranke für so viele Ehrgeizige, die allenthalben mit gleich großer An-maßung als Verderbtheit in Grundsätzen und Sitten sich kühn zu erheben bereitsind, ist ein Knabe von sieben Jahren. (7)
*B raunschweig. Auch für dieses Land sollte das Jahr 1830 in der Ent-wicklung des öffentlichen Lebens Epoche machen. Auf ein kleines, von demgroßen Schauplatze ziemlich entferntes Land, wie Braunschweig, hatten die seit derfranzösischen Revolution geweckten Bestrebungen, das Staatsleben von unten heraufzu verbessern, um so weniger gewirkt, als ein weiser und wohlwollender Regent, derunvergessene Karl Wilhelm Ferdinand, die Wunden aus der vorangegangenenverschwenderischen Regierungsperiode durch sorgsame Thätigkeit zu heilen wußte,und die Besorgniß vor einem Misbrauch der höchsten Gewalt durch mehre wesentliche,sich selbst und seinen Nachfolgern auferlegte Beschränkungen für immer zu entfer-nen schien. Die Zeiten der Fremdherrschaft warfen wie ein tobender Orkan dasAlte und Abgelebte nieder, ohne daß die neuen Keime vor der lähmenden Gewaltzu kräftigem Leben gedeihen konnten. Friedrich Wilhelm, der nach der BefreiungDeutschlands in das Land seiner Väter zurückgekehrt war, ordnete in der kurzenZeit seiner Regierung die Verfassung seines Erblandes nicht, selbst die altenLandstande wurden von ihm nicht hergestellt. Unter der vormundschastlichenRegierung wurde 1820 eine erneuerte Landschaftsordnung bekannt gemacht, dieindeß den Bedürfnissen der Zeit nicht entsprach, und das Volk, ohne dessen Mitwir-kung sie entstanden war, auch ohne Theilnahme ließ, als sie in das Leben trat, beson-ders wegen des gänzlichen Mangels an Öffentlichkeit. Am 30. Oct. 1823 trat Her-zog Karl nach Vollendung seines neunzehnten Lebensjahres die Negierung an. InBraunschweig hatte man damals kaum noch eine Ahnung von dem Charakter die-ses Fürsten, der längere Zeit von dort entfernt gewesen war. Er mischte sich in denersten Jahren wenig in die Regierungsgeschäfte, zu deren Verwaltung ihm selbstalle Vorkenntnisse fehlten. Der Gang der Verwaltung dauerte unter der Leitungdes Geheimraths von Schmidt-Phiseldeck, wie zur Zeit der vormundschastlichenRegierung, ungehindert fort; nur war von einer Berufung der Landstände nichtdie Rede. Schmidt drang oft vergebens auf die Anerkennung derselben und batendlich (Oct. 1826), da er mit dem Herzog überhaupt immer mehr in Misverhälc-nisse gerieth, um seine Entlassung. An die hartnäckige Verweigerung des Ab-schiedes für den verdienten Mann knüpfte sich der unselige, weltbekannte Zwist mitdem königlichen Pormund, Georg IV., von welchem Herzog Karl seine Regenten-rechte gekränkt glaubte. Die Öffentlichkeit, mit welcher der Streit geführt wur-de, enthüllte nun vor Aller Augen, von welchen selbstsüchtigen Leidenschaftensich der Herzog leiten ließ. Herrsässucht und Geiz, die jchon früh in ihm ent-
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