Druckschrift 
Erster Band (1832) A bis E
Entstehung
Seite
280
Einzelbild herunterladen
 

2S0 Bosse

digkelt, die ihm von Jugend an eigen gewesen war, blieb ungeschwacht bis in sein s:hohes Atter, sein Gedachtniß hinsichtlich aller, seine Geschäfte betreffenden Einzel- Zheiten bis in seine letzte Lebenszeit treu, und ungeachtet sein körperliches Ansehen kihm jede Anstrengung zu untersagen schien, so lebte doch der Greis auf der Kanzel lund im Gespräche wieder zu geistreichem Streben auf. Im Herbste 1831 von ei-nem rheumatischen Übel ergriffen, das seit mehren Jahren wiedergekehrt war, stirber am 10. November und ward am 22. mit außerordentlicher Fcierlichkeit-begraben.

Bosse (Rudolf Heinrich Bernhard), vormaliger braunschweigischnStaatsrath, wurde den 23. April 1778 zu Braunschweig geboren. Nachdem er,bei glücklichen Geistesanlagen, unter der Leitung eines gelehrten Vaters seineSchulstudien vollendet, und auf der Universität zu Helmstadt und spater in Göttin-gen mehr den Wissenschaften, die seiner Neigung zusagten, als dem Studium derTheologie, auf welches er angewiesen worden, obgelegen hatte, erregte er durch ei-nige Schriften: „Über Hochverrath, beleidigte Majestät und verletzte Ehrerbietunggegen den Landesherrn" (Göttingen 1802) und „Grundzüge des Finanzwesens imrömischen Staate" (2 Bde., Braunschweig 1804) die Aufmerksamkeit des Her-zogs Karl Wilhelm Ferdinand von Braunschweig, der ihn als Secretair bei der geh.Kanzlei anstellte. Nach der Errichtung des Königreichs Westfalen erhielt er 1808eine Anstellung als Staatsrathsauditoc zu Kass^., arbeitete unter Johannes vonMüller, der ihn auszeichnete, bei der Studiendirection, wurde später Mitglied derOberrechnungskammer und 1812 in den westfälischen Ritterstand erhoben. Derin B. liegende Keim des Ehrgeizes wurde durch die ihm widerfahrenen Auszeich-nungen rasch gezeitigt, und die Richtung seines ganzen künftigen Strebens dadurchbestimmt. Die Ereignisse des Jahres 1813 durchkreuzten seine fernem Plane.Er kehrte in sein Vaterland zurück und ging zur Zeit des Congresses nach Wien,vielleicht um dort eine, seinen Ansprüchen zusagende Anstellung zu erhalten, waraber, als ihm dieses fehlschlug, genöthigt, wieder nach Braunschweig zu gehen,wo er als Kammerassessor, ohne Sitz und Stimme im Eollegio, angestellt wurde. !B. lebte von nun an eine Reihe von Jahren hindurch in stiller Zurückgezogenheitund widmete die ihm von seinen, auf das Rechnungswesen beschränkten Berufs-geschäften übrig bleibende Zeit literarischen Beschäftigungen. Es mochte Manchemdamals auffallend erscheinen, daß einem Manne, dem ein Karl Wilhelm Ferdi-nand die Bahn des öffentlichen Dienstes eröffnet, dessen Talente die Fremdherr-schaft anscheinend in ausgezeichneter Weise zu würdigen gewußt hatte, sein Vater-land eine Stellung versagte, die ihm die nutzenbringende Entfaltung seiner Kräfteim Dienste desselben gestattet hätte, und die ungünstige Meinung seiner Mitbür-ger, die B. sich durch fein Benehmen zur Zeit der westfälischen Herrschaft zugezogenhatte, konnte, bei seiner übrigen Unbescholtenheit vor dem Gesetze, wenigstens aufdie Dauer nicht als die alleinige Ursache davon angesehen werden; die braun-schweigische Regierung aber, und insbesondere ein Mitglied derselben, der Geheim-rath von Schmidt-Phiseldeck, welcher B. in seiner Wirksamkeit zu Kassel ken-nen gelernt hatte, erachtete die Erhebung desselben zu einem bedeutendem Wir-kungskreise nicht für einen Gewinn, indem es ihm, was er auch in einer spätemZeit beurkundete, an den unentbehrlichsten Erfodemissen geschäftlicher Tüchtigkeit,an Takt und praktischem Blick, gänzlich mangelte. Es scheint, daß sich in B. vondieser Zeit her eine feindselige Stimmung gegen Schmidt-Phiseldeck, den er für denUrheber seiner Zurücksetzung hielt, gebildet habe. Er reiste 1825 nach Paris,und sein dortiger Aufenthalt siel in dieselbe Zeit, wo Herzog Karl von Braun-schweig auf einer längern Reise durch Frankreich und England daselbst verweilte.Mit diesem Zusammentressen wurde nachmals die entfremdete Stimmung, welcheder Fürst von seiner Reise gegen seine damaligen Rache, insbesondere den einsichts-vollen und unerschrockenen Geheimrath von Schmidt, zurückbrachte, und woraus