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Börne
waltungsfache angestellt und versah mehre Jahre hindurch die, freilich seinemeigenthümlichen Streben wol nur wenig entsprechenden Geschäfte eines Ae-rius bei der Polizeidirection. Die großen Ereignisse der Jahre 1813 und 1811setzten nicht blos dem fernem Fortschreiten B.'s auf der betretenen Bahn despraktischen Staatslebens plötzlich ein Ziel, sondern er ward auch von den neuenBehörden des zu seiner alten Freiheit wiedergelangten Frankfurt von seinerStelle mit einem Ruhegehalt entlassen. Von nun an erst konnte B.'s Geist,aller äußern Fesseln entledigt, jenen hohen Aufschwung nehmen, der ihn alspolitischen Schriftsteller auszeichnet. Er machte sich der literarischen Welt zuerstals Redacteur des frankfurter „Staats-Ristretto", durch die Herausgabe der„Zeitschwingen" und späterhin der „Wage" bekannt. Fanden aber diese Erzeug-nisse eines nur Freiheit im edelsten Sinne des Wortes erstrebenden Geistes vielBeifall, so zogen ihm dieselben auch mancherlei Unannehmlichkeiten von SeitenDerjenigen zu, die darin nur Umwälzungsplane zu einer Zeit gewahren wollten,wo ohnehin der demagogische Unhold seinen Spuk in so vielen Köpfen trieb.So entzog ihm die großherzoglich hessische Regierung, auf Betrieb des bei derselbenangestellten Gesandten einer großen deutschen Macht, das für die zu Offenbach ge-druckten „Aeitschwingen" ertheilte Privilegium; nicht lange darauf aber ward B.sogar, auf Ersuchen eben dieses Gesandten, in seiner Vaterstadt Frankfurt verhas-tet, und wegen angeschuldigter Theilnahme an Verbreitung einer demagogischenFlugschrift in peinliche Untersuchung gezogen, deren Ergebniß jedoch seine voll-kommene Unschuld erwies. Seit 1822 lebte B. zum großen Bedauern seinerFreunde fast in gänzlicher Zurückgezogenheit von allem literarischen Verkehr,theils in Paris, theils in Frankfurt und Hamburg, bis er endlich durch die Heraus-gabe seiner „Gesammelten Schriften" (10 Bde., Hamburg 1829—VI) ein neuesLebenszeichen von sich gab. Tritt schon in den frühern Bänden dieser SammlungB.'s Individualität und sein subjectives Streben in kräftigen Zügen unverkennbarhervor, so liefern die „Briefe aus Paris" (2 Bde., Hamburg 1831), die auch den 9.und 10. Band der Sammlung bilden, ein vollendetes Bild des Mannes. Eineausführliche Analyse oder Kritik dieser Gcistesproducte hier zu geben, gestattet we-der der Raum noch der Zweck dieses Werkes; wir wollen daher blos die Ge-sichtspunkte andeuten, unter denen, um nicht ungerecht gegen B. zu sein, dieseErzeugnisse beurtheilt werden müssen. B. dürfte am passendsten mit jenen altenSatyrenschreibern und Epigrammatisten zu vergleichen sein, die zur Zeit des Ver-falls der griechischen und römischen Sittlichkeit und Tugend, den Ausdruck ih-res tiefen Unwillens über das Verderbniß ihrer Zeitgenossen in das Gewand ei-nes gewissen moralischen Cynismus kleideten, theils weil sie wähnten, nur mdieser Form den beabsichtigten Eindruck auf die in Schlaffheit versunkenen Ge-müther hervorbringen zu können, theils weil ihr eignes Gemüth zu sehr vonIndignation ergrissen war, als daß sie es über sich vermocht hätten, diese Em-pfindung in anständigere Formen zu kleiden. Wir möchten B. einen politischenCyniker nennen, dessen Beweggründe und Zwecke sicher die edelsten sind, deraber durch seine Schriften, namentlich durch die zuletzt erwähnten Briefe, viel-fältig Veranlassung gibt, ihn zu verkennen. Unwille, daß es in Deutschsnicht so zugeht, wie er es wünscht, und die Meinung, daß sein Vaterland in tiefeHerabwürdigung versunken sei, aus welcher nur die Anwendung extremer Mittffwie man solche einem todtkranken Patienten reicht, es zu erwecken vermöge, lei-teten seine. Feder. Unrecht aber thut man ihm sicherlich, wenn man ihn, w'.e esneuerlich oft von mehr oder minder unberufenen Kritikern geschehen, des Mangelsan echter Vaterlandsliebe beschuldigt, und ihm die Absicht unterlegt, er wolle nurWitze machen, sei es auch auf Kosten der deutschen Nationalehre. Übrigens woblen wir noch bemerken, daß B., der im September 1830 wieder nach Paris ging-
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