270
Bolivia
nach Cartagena zu reisen und sich von da nach England einzuschiffen. Er hattejedoch den Gedanken an die Ausführung seiner Plane nicht aufgegeben; seineFreunde schmiedeten neue Ranke und versuchten durch ihre Umtriebe eine Empörungzu seinen Gunsten zu erregen. Von Cartagena, wo er eine starke Partei hatte undwie ein Machthaber behandelt wurde, reisteer, wiewol krank, im November nachSanta-Marta, dessen Bischof sein Busenfreund war, in der Absicht von danach Bogota oder Venezuela aufzubrechen. Aber es fehlte an Truppen undan Geld, und die meisten seiner unternehmenden Freunde waren entweder ge-tödtet oder gefangen. Dazu kam die Nachricht von der Revolution imParis,welche die Hoffnung vernichtete, die B. auf die Unterstützung seiner Plane durchdie bourbonische Regierung hegte. Seine Krankheit nahm überhand; er sahseinem Ende mit Ruhe entgegen, dictirte noch einen Aufruf an ColombiasBürger, ganz im republikanischen Geiste, sing darauf an irrezureden, hielt zu-letzt wieder einige Augenblicke inne, rief: „Eintracht! Eintracht! sonst wird unsdie Hyder der Zwietracht verderben!" und starb am 10. Dec. 1830 um 1 UhrNachmittags ohne Seufzer. Er wurde, wo er gestorben, auf der Haciendain San Pedro bei Santa - Marta beerdigt. Von seinem Vermögen hatte erneun Zehntheile im Dienste des Vaterlandes verwendet und mehr als 1000Sklaven die Freiheit geschenkt, und dennoch hinterließ er keine Schulden. B. warvon mittler Größe, etwas über 5 Fuß; sein Körper hager, aber großer An-strengungen fähig, seine Gesichtsfarbe fast olivenbraun, das Haar schwarz undstraff; seine Mienen und Bewegungen hatten wenig Anmuth und Anstand; ertrug einen großen Backenbart und hatte dicke buschichte Augenbrauen, die seinefeurigen tiefliegenden Augen beschatteten. Sein Geist war gewandt, und er ver-stand sich geltend zu machen. Um seinen Zweck zu erreichen, war ihm iedes Mittelgut; darin bestand seine Politik. Er gerieth leicht in Zorn. Außer seiner Mut-tersprache redete er fertig Französisch und etwas Englisch. Gründliche Bildung be-saß er nicht, und Ernstes langweilte ihn leicht. Wie Napoleon besaß er das Talent,fähige Männer herauszufinden und sie zu gebrauchen; doch lohnte er die meistenmit Undank. Er war ein guter Tänzer, ein vortrefflicher Reiter und ein leiden-schaftlicher Freund des andern Geschlechts. Über sein Leben finden sich interessanteNachrichten in Ducondray-Holftein's „Nenwires cke Simon Lolivur", welche manjedoch mit Vorsicht benutzen muß. (29)
^Bolivia. Diese 1825 entstandene Republik wurde anfänglich dem be-rühmten Helden zu Ehren mit dem Namen Bolivar benannt, welcher aber kurzdarauf, nach des Libertadors Wunsch, in Bolivia verwandelt wurde. Die Pro-vinzen, aus welchen dieser junge Staat besteht, machten die nördliche Hälfte desehemaligen Vicekönigreichs Rio de la Plata aus und wurden von dem südlichenTheile desselben unter dem Namen der Gebirgsprovinzen (Urovincius <!e lu Sierra)unterschieden. Vor der Errichtung dieses Vicekönigreichs waren sie Theile desVicekönigreichs Peru und hatten auch zum alten Reiche der Jncas gehört. Indieser Hinsicht gibt man noch jetzt dem Lande den Namen Ober- oder Hochperu <0ulttt ?ern), ein Name, der sehr passend ist, da in dem bolivischen Gebiete die höch-sten Berge des Andengebirges sicherheben. Bolivia liegt zwischen 11° 55'und25° 54' S. B. und zwischen 307° und 320° 2' O. L. von Ferro. GegenNorden grenzt es an Peru, gegen Westen an Peru und an die Südsee, m>lwelcher sein Gebiet vom 21" 26' —25° 54' in Berührung steht; gegen ODan Brasilien, gegen Süden an die argentinische Republik und Chile. D"'Größe des Gebiets von Bolivia wird ungefähr auf 20,000 geographische LMgerechnet, worauf letzt etwa 1,800,000 Bewohner, oder 90 Menschen ander mM., leben mögen. Die Natur des Landes ist höchst interessant. Zwischenihm und Peru breitet sich die Masse des Andengebirgs zu einem Plateau vo,
,5^
AZ
»NN--
M" '.W 5
W0'