Bewegung und Reaction
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genden Jahre den Auftrag erhielt, die Finanzen des Staats zu ordnen, und dieSteuer- und Gewerbepolizeigesetzgebung umzuformen, berief er B. zu der Com-missi'on, welche die Gesetze berieth und entwarf, die 1810 bekannt gemacht wurden.In demselben Jahre kam B. als geheimer Obersteuerrath in das Finanzministe-rium. Er trat 1813 als gemeiner Freiwilliger in die Cavalerie des Lützow'schenFreicorps, wurde nach dem Frieden als geheimer Obersinanzrath in die Abtheilungdes Finanzministeriums für Handel und Gewerbe berufen, hatte Antheil an derBearbeitung der Steuergesetze vom Jahre 1817, wurde 1821 Mitglied desStaatsraths, 1828 zum Director der Abtheilung für Handel, Gewerbe und Bau-wesen und 1830 zum wirklichen geheimen Oberregierungsrath befördert. ImLaufe seiner Dienstzeit hat B. die Grundsatze der Freiheit des Handels und derGewerbe geltend zu machen gesucht, und geglaubt, daß der Staat den Gewerbsbe-trieb nur insoweit zu beaufsichtigen habe, als gemeine Gefahr durch Ungeschicklich-keit zu besorgen sei; er hat sich zu Denen bekannt, welche es für fehlerhaft halten,ein Gewerbe auf Kosten des andern oder der Consumenten zu begünstigen, sei esdurch Steuerschutz oder durch gewerbliche Beschrankungen. Den Staat hielt erverpflichtet, dem Gewerbstande vorzuleuchten, seine wissenschaftliche, künstlerische undtechnische Ausbildung auf alle Weise zu befördern, und ihn dadurch in den Stand zusetzen, die freie Concurrenz in Dingen zu bestehen, welche landesthümlich sind. Dieaufgeklarte preußische Regierung hat ihn dabei auf jede Weise unterstützt und ihm dieAusführung seiner Entwürfe übertragen. Zu diesen Unterstützungen sind zu rechnen:die Gründung des Gewerbeinstituts in Berlin und der Provinzialgewerbeschule; dieReisen ausgezeichneter Zöglinge jener Anstalt ins Ausland; die Herausgabe meh-rer kostbaren Werke und Lehrbücher, namentlich der Vorbilder für Fabrikantenund Handwerker, der Vorlegeblätter für Mechaniker, Maurer, Zimmerleute, derBauausführungen im preußischen Staate; die Einführung von Fabrikationsver-besserungen aus Nordamerika, England und Frankreich, die B. bei mehren Rei-sen in jene Länder kennen gelernt hatte; die Verbreitung neuer kostbarer und durchangestellte Versuche erprobter Werkzeuge in zahlreichen Exemplaren als Musterund Auszeichnung unter die Gewerbtreibenden der Provinzen; die Einrichtungvon Nationalgewerbausstellungen; die Verwandlung der Bauakademie in eineallgemeine Bauschule. Zur Erweckung der eignen Theilnahme des Gewerbstan-des stiftete B. 1821 den Verein für Gewerbsfleiß in Preußen, dessen Vorstand erist, sowie in dem Verein der Kunstfreunde in Preußen der Stellvertreter des Vor-sitzenden.
Bewegung und Reaction. Wenn wir in unfern Tagen von einerPartei der Bewegung sprechen, welcher sich eine Partei der Reaction entgegen-stemmt, und zwischen welchen das rechte naturgemäße Staatsleben, die hohe poli-tische Weisheit, eine richtige Mittelstraße sucht, so möchte man zuerst eine rich-tige Gegeneinanderstellung dieser verschiedenen Tendenzen vermissen. Denn derBewegung kann eigentlich nur der Stillstand entgegengesetzt werden, Reaction istaber mehr als Stillstand; sie ist nicht blos Widerstand gegen die Bewegung, son-dern selbst Bewegung, nur in einer entgegengesetzten Richtung. Aber dennoch las-sen sich diese Bezeichnungen insoweit rechtfertigen, als die Reaction meist ein rück-wärts liegendes Ziel nicht in einer ungewissen Ferne sucht, sondern nur Das erhal-ten, wiedergewinnen und befestigen will, was eben angefochten wird und zumTheil verloren ist, also doch zuletzt nur einen Stillstand beabsichtigt. Es ist keineneue Bemerkung, daß in Bewegung und Reaction die Geschichte der Welt besteht,und daß hierin vermöge der menschlichen Natur niemals eine dauernde Ruhe ein-treten kann. Der Anschein der Ruhe ist zwar oft hervorgebracht worden, zuweilendurch äußere Gewalt, welche jede freiere Regung unterdrückte und die Völker inUnwissenheit und passivem Gehorsam erhielt; zuweilen aber auch durch andere Ur-