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Berlins Kunstsammlungen
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besten Kenner zu sein. Als ein Beispiel, auf welche Weise er einkaufte, führenwir nur die Erwerbung des berühmten Altarbildes von Johann und Hubert vanEyck an. Der Besitzer brachte dasselbe wahrend des Congresses 1818 nach Aachenund hoffte unter den dort versammelten Monarchen einen Kaufer zu finden; dieseaber traten verwundert zurück, sobald sie von den 200,000 Francs hörten, welchefür diese sechs Tafeln von maßiger Größe gefodert wurden. Auch Solly kam inden Saal, hörte den Preis, ließ den Kasten zunageln und zahlte die gefoderteSumme auf der Stelle, ohne ein Wort darüber zu verlieren. Durch Einkäufedieser Art und durch Verluste in England kam Solly in Verlegenheit. Er erhieltvon der preußischen Regierung Vorschüsse und überließ endlich, da er die Rückzah-lung nicht leisten konnte, dem Könige seine Sammlung, die ihm über eine Milliongekostet hatte, für 700,000 Thaler. Sobald diese werthvolle Sammlung Eigen-thum des Königs geworden war, ließ es sich Hirt eifrig angelegen sein, einen ge-nauen Katalog zu verfertigen, wobei ihm der durch seine Schrift über die Brüdervan Eyck bekannte Waagen als Gehülfe zugetheilt wurde. Bei der später erfolgtenAusstellung der Bilder im Museum hat zwar Hirt, da man ihm nicht ganz unbe-dingte Gewalt einräumte, sich zurückgezogen, doch ist die Anordnung der Gemäldesowol, als die Abfassung des Katalogs im Wesentlichen nach seinen Vorarbeitenausgeführt worden.
Die Bildergalerie zerfällt in zwei Hauptabtheilungen: Die Italiener,v. Die Niederländer und Deutschen. Die Italiener sind nach ihren Schulenabgetheilt. Unter den Venezianern findet man vortreffliche Bilder von Antonelloda Messina und von Giovanni Bellini, den beiden Begründern dieser Schule.Von Mantegna besitzt die Galerie das schönste Bild, welches er malte, einen tobtenChristus von zwei Engeln gehalten; mehre Hauptbilder von Marco Basaiti, Vit-tore Carpaccio, Pietro degli Jngannati, Francesco Morone, Luigi Vivarini, Gi-rolamo da Santa-Croce. Von allen diesen Meistern, deren Namen man, mit ge-ringen Ausnahmen, in den Katalogen von Dresden, Wien, Kassel, Braunschweigund Paris vermißt, besitzt das Museum zu Berlin die kostbarsten Galeriestücke,welche weder in der Tiefe des Ausdrucks noch in der Farbenfrische von irgend einemspatern Meister verdunkelt werden. Aus der nachfolgenden Blütezeit der Venezianerbesitzt das Museum Bilder des ersten Ranges von Giorgione, Jacopo Palma, Por-denone, Paris Bordone, Jacopo Robusti, Paolo Veronese. Man ist verwundert,in dem Katalog Tizian's Namen zu vermissen, da man doch in der Galerie selbstmehren Bildern begegnet, welche die Hand des großen Meisters verrathen, und dieselbst Hirt, der bekanntlich sogar die berühmte Venus in Dresden nicht für einenTizian gelten läßt, für echt hält. Mit lobenswertster Gewissenhaftigkeit hat mansich jedoch bei Abfassung des Katalogs enthalten, in zweifelhaften Fällen den Bil-dern berühmte Namen zu geben. — Zu den Lombarden hat man hier sowoldie Mailander als die Parmesaner gezählt. Von Jenen besitzt die Galerie werth-volle Bilder aus der Schule des Leonardo da Vinci, von Bernardo Luini, AndreaBoltrafsio, Salaino, Sacchi, Gaudenzio Ferrari; von den Parmesanern darf nurEiner genannt werden: Correggio, der für eine ganze Galerie gilt. Das Mu-lsum besitzt von ihm zwei, durch ihren hohen Kunstwerth wie durch ihre Schicksalederühmte Bilder: Jo vom Jupiter umarmt, und Leda mit dem Schwane. Diesebeiden Bilder waren im dreißigjährigen Kriege aus Italien nach Schweden gekom-men, wo sie im königlichen Marstalle als Fenstervorsatz dienten. Die KöniginEhristine nahm sie später mit nach Italien, und nach ihrem Tode kamen sie in dieGalerie des Regenten, Herzogs von Orleans. Sie sollten später, unter dem Sohnedes Regenten, dem frömmelnden Herzog Ludwig von Orleans, als verführerische Bil-der verbrannt werden, indessen begnügten sich die Beichtväter damit, daß der Her-zog die Köpfe der Jo und Leda herausschneiden ließ, wobei denn freilich für die Ver-