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Baiern
dem Ackerbau und Handel, zum großen Nachtheil der Industrie, entzogen wirdein seit vier Jahren beschlossener Creditverein der Gutsbesitzer nicht in das Leben tre-ten kann, und selbst eine neue Hypothekenordnung das Vertrauen nicht herzustellenvermag. Die Staatseinnahme belauft sich nach den neuesten Berechnungen auf24 Millionen, darunter die directen Steuern mit mehr als 3^ Million, die indi-rekten (Bieraccise, Zölle w.) mit7 Mill., die Gerichtstaxen und der Stempel mit3 Mill., das Lotto mit 1 Mill., die Forsten mit 2 Mill., die grundherrlichenGefalle, Zehnten :c. mit 5 Mill., die Salinen und Bergwerke mit mehr als Z Mill.Berechnet man sammtliche Staatsabgaben, ohne Kreis- und Locallasten nach derEinwohnerzahl gleichheitlich, so würden auf jeden Kopf jahrlich 6 Gulden kommen.Die Staatsausgaben belaufen sich auf 24 Mill., nämlich für Tilgung und Ver-zinsung der Staatsschuld 8 Mill., Civilliste 3 Mill., Militair 6 Mill., Staats-anstalten 5 Mill., Ministerium des Äußern 480,000 Fl., der Justiz 950,000 Fl.,der Finanzen 770,000 Fl., des Innern 700,000 Fl., beide letztere gemein-schaftlich 1 Mill., für Landbauten 530,000 Fl. Die verfassungsmäßige Gleich-heit der Abgaben ist noch starken Anfechtungen unterworfen. Die Besteuerung warseit langer Zeit ein Gegenstand vielfältiger Versuche, wobei die Doctrin hausig ander Praxis scheiterte, die Klagen über Überbürdung und Ungleichheit mehr hervor-gerufen als abgestellt, und deren Prüfung endlosen Förmlichkeiten unterworfen wurde.Nach einander bestanden ein Steuerprovisorium, Momentaneum, Definitivum.Theilweise Einführung einer auf Vermessung und Ertragsausmittelung beruhen-den Besteuerung erhöhte nur noch die Ungleichheit, und um nur die immer lautergewordenen gerechten Beschwerden einigermaßen zu beseitigen, entschloß man sichauf dem jüngsten Landtage, den unauflöslichen Knoten einstweilen zu zerhauen, zueinem Mittel der Willkür zu greifen und den betheiligten Provinzen eine gewisseSumme an ihren Steuern in Bausch und Bogen nachzulassen. Seit vielen Iah-ren ist die Regierung beschäftigt, ihr auf Vermessung und Bonitirung gegründetesSteuersystem auszuführen. Sachverständige behaupten, daß diese in der Theorievielleicht richtige Methode dennoch in der Ausführung kein gründliches Resultatliefern könne, daß nach Vollendung der langsamen, schwierigen, unsicher« und sehrkostspieligen Vorarbeiten die Unanwendbarkeit derselben sich ergeben, eine baldigeRevision eintreten müsse, und die 10 —12 Mill. betragenden Kosten verlorensein würden. Die Regierung hat viel gethan zur Ablösung der Zehnten und an-derer, unter zahlreichen Benennungen bestehenden Grundlasten, unter welchen dieAckerbauindustrie, dieser Hauptnerv des bairischen Volks, nie sich erheben kann, undwelche in manchen Bezirken einer wahren Leibeigenschaft gleichen. Theilweise sindjene Bemühungen nicht ohne Erfolg geblieben, doch ist verhaltnißmaßig im Gan-zen dabei noch wenig bewirkt worden, namentlich fehlt immer noch ein Culturgesetz.Der Werth der Grundstücke ist sehr gesunken, obgleich der Preis der landwirth-schaftlichen Erzeugnisse nichts weniger als gering genannt werden kann, und Ge-legenheit zum Absätze nicht fehlt. Dagegen mangelt es dem Landmann an Be-triebscapitalien und an Mitteln zur Ablösung der Bodenlasten, sowie, unterden obenbemerkten Verhältnissen, an Credit. Die öffentlichen Blatter wimmeln vonGantanzeigen, und die ewig lange Dauer der Concursprocesse schreckt den Capita-listen ab, dem Bauer Geld zu leihen. Der Handel in Baiern leidet, wie überhauptfast überall, unter dem Drucke der Zeit, und die Bilanz stellt sich nicht hum Vor-theil des Landes dar, da seine Naturprodukte und noch mehr seine Fabrikate in denNachbarstaaten theils zurückgewiesen, theils mit hohen Eingangsgebühren belegtsind. Lästige, steter Veränderung unterworfene Zolleinrichtungen lähmen dieSpekulation und haben auch den, in den nördlichen Provinzen einst besonderssehr bedeutenden Transithandel sehr herabgebracht. Der Handelsverkehr bleibt da-her fast nur auf das Innere des Landes beschrankt, bis sich vielleicht einst durch die