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Erster Band (1832) A bis E
Entstehung
Seite
155
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Genauigkeit in der Untersuchung des Einzelnen und das bestimmte Bewußtsein,mit welchem Grade von Sicherheit eine allgemeine Lehre aus den einzelnen ihr zumGrunde liegenden Thatsachen zu folgern ist; alle zeichnet, selbst bei den dunkelstenGegenstanden, das Talent anmuthiger Darstellung und das erfrischende Weseneines Geistes aus, der mit eigenthümlicher Klarheit und Warme die Naturwissen-schaft nur als die Schöpfungsgeschichte s posteriori, als die Lehre von Gott undals die Grundlage für die höhere Entwicklung der Menschheit betrachtet. Was diePhilosophie, und namentlich die Naturphilosophie, langst anerkannt hatte: daßnämlich alle Zeugung nur scheinbar, in der That aber nur eine Umbildung des Be-stehenden, also das Dasein nur fortgesetzte Schöpfung sei, diese Lehre hat zuerstB. mit dem Messer und Mikroskop nachgewiesen und so das wahre Ziel der Na-turforschung verfolgt. Noch viele wichtige Bereicherungen der Wissenschaft dür-fen wir von seinem rastlosen Eifer und seinem Genius erwarten, aber auch schonjetzt tragen wir kein Bedenken, B. zu den ersten und geistreichsten Naturforschernunserer Zeit zu zahlen. Der moralische Charakter eines mit so reinem undfrommem Sinne der Natur ergebenen Mannes kann nur edel und vortrefflichsein, und so ist auch B., mit großer persönlicher Liebenswürdigkeit begabt,durchaus musterhaft in seinen Verhaltnissen als Gatte, Vater, Freund und öf-fentlicher Lehrer. ^ (23)

*Baiern. Veränderungen in der-Person des Regenten pflegen meist auchvon einer Veränderung des Systems der Regierung in dem Gange der Verwaltungbegleitet zu sein, welche auf den ganzen Staatsorganismus einen wesentlichen Ein-fluß haben. Mit einem solchen Regierungswechsel beginnt daher gewöhnlich auch eineneue Periode in der Geschichte eines Landes. Baiern erfuhr einen solchen Umschwung,als zu Anfang unsers Jahrhunderts Maximilian Joseph die Zügel der Regie-rung ergriff und als souverainer Fürst Reformen unternahm, welche in ihrem Be-dürfnis nothwendig und zeitgemäß, in ihren Gegenständen vielseitig, umfassend undwichtig, überdacht und weise in ihren Grundsätzen, in ihrer Ausführung energischund gerecht, und segensreich in ihren Erfolgen waren. Das alte Institut der bairi-schen Landstände hatte sich längst überlebt, und seinem Schattendasein wurde 1805fast nur noch als Formalität ein Ende gemacht. Die Thatkraft eines Menschen-alters ward in den Zeitraum von sechs Jahren zusammengedrängt, und Baiern warvon 1799 1805 weiter als früher in einem Jahrhundert vorgeschritten. Indie großen politischen Bewegungen jener Zeit verflochten und dadurch zu schwerenOpfern an Geld und Menschen genöthigt, entfaltete Baiern eine hohe materielleund moralische Kraft und errang damit die erste Stellung unter den deutschenMachten zweiten Rangs, eine würdige Selbständigkeit, einen bedeutenden Gebiets-zuwachs und die sichere Aussicht, unter einer guten Verwaltung in einer ruhigemZukunft seine reichen intensiven Kräfte immer mehr zu entwickeln. Nach dem all-gemeinen Frieden waren die Beziehungen Baierns nach Außen, der Natur seinerpolitischen Bedeutsamkeit nach, von keinem Belang; und von da wird denn auchdie Geschichte dieses Landes eigentlich nur Geschichte seiner Regierung, seiner Ver-waltung oder des innern Staatshaushalts, sei es nun, daß diese mit dem Geiste derZeit, den Bedürfnissen und Wünschen des Volks übereinstimmen oder nicht. Soviel auch die bairische Regierung gethan hatte, so blieb ihr doch nicht wenig zu thunübrig. Baiern war ein durch politische Wechselfälle neu gebildetes Aggregat dermannichfaltigsten Substanzen. In den legislativen, wissenschaftlichen, kirchlichen,industriellen und vielen andern bürgerlichen Verhältnissen seiner 4 Mill. Einwoh-ner bestand eine große Verschiedenheit. Es war nothwendig, diese heterogenenMassen durch eine allgemeine Verfassung zu assimiliren, oder wenigstens dadurchdie Möglichkeit einer Verschmelzung herbeizuführen. Diese octroyirte repräsentativeVerfassung erschien, wol auch in Folge der deutschen Bundesatte, 1818 und