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Artesische Brunnen
Gebirge pflegen sie sich in der Regel aufzurichten, sodaß^ie endlich instark geneigter Lage an den Abhangen der Gebirge hervortreten. Die Schichteder Flötzgebirge haben also in ihrer Gesammtausdehnung eine geneigte Lage, in-dem sie von den Gebirgen her nach den Niederungen hin ein immer sanfteres Ein-fallen zeigen und endlich in horizontale Lage übergehen. So kann z. B. eine unddieselbe Sand- und Geröllschicht, welche an irgend einem Punkte des flacheLandes 100 F. unter der Oberfläche liegt, in mehren Meilen Entfernung bis zuvielen hundert F. über denselben Punkt aufsteigen. Denkt man sich nun eine solcheSandschicht in ihrer ganzen Ausdehnung in gleichförmiger Lagerung von zäheiyMergelschiefer getragen und von fettem Thon bedeckt, so hat man alle Bedingungenbeisammen, welche zur Bildung einer abgeschlossenen und stark gespannten Was-serschicht erfoderlich sind. Unter dem hier gebrauchten Ausdrucke Wasserschicht istMmlich nicht eine Schicht von lauter Wasser, fondern nur eine mit Wasser bis zurSättigung getränkte Schicht von lockerm Gestein zu denken, wicwol theilweise auchförmliche Wasserlagen oder netzförmig ausgebreitete Systeme von Wasseradern vor-kommen können. Durch Nebel, Regen und Schnee schlägt sich in den bergigenTheilen eines Landes eine große Menge Wasser nieder, welches von den daselbstausgehenden, meist sehr zerrütteten und zerklüfteten Enden der Gebirgsschichten auf-genommen und in tausend, mehr oder weniger feinen Canälen den tiefern Theilendieser und insbesondere der lockern, von Wasser leicht durchdringlichen Schichtenzugeführt wird. So würde sich denn auch die vorhin erwähnte Sandschicht in ihmganzen Ausdehnung mit Wasser schwängern und eine abgesperrte, in ihrer Ge-sammtausdehnung gegen den Horizont geneigte Wasserschicht bilden, aus welcherdas Wasser durch jedes vom Tage niedergestoßene Bohrloch mit größerer oder ge-ringerer Heftigkeit und Menge emporgetrieben werden müßte. Man ersieht hieraus,daß sich mittels einer genauen geognostifchen Untersuchung nicht nur der Masse,sondern auch ganz besonders der Lage und Mächtigkeit der Gebirgsschichten im All-gemeinen entscheiden lassen wird, ob für irgend eine Gegend die Anlage artesische!Brunnen von Erfolg sein wird oder nicht. An dem Orte, wo das Bohrloch pro-jectirt ist, mögen die wasserhaltigen Schichten horizontal liegen, allein dieselbenSchichten dürfen nicht in ihrer ganzen Ausdehnung horizontal bleiben, sondernmüssen sich in größerer oder geringerer Entfernung zu einer bedeutenden Höhe überden Ansatzpunkt des Bohrloches erheben. Auch darf die Gegend, besonders nachdem Ansteigen der Schichten zu, kein sehr zerschnittenes Terrain bilden, oder es dür-fen die Thaleinschnitte doch nicht durch die obere wasserspannende Schicht reichen.— Über die Operationen des Vohrens selbst gestattet der Raum nur einige kurzeAndeutungen. Man beginnt meist mit der Äbteufung eines kleinen Bohrschachtesdurch die ersten Schichten der Erdoberfläche; auf der Schachtsohle sowol als auchüber Tage um die Schachtmündung werden die Grundschwellcn für das Bohrgc-rüste gelegt, welches auf sehr verschiedene Weise ausgeführt werden kann. DaSBohrzeug selbst besteht aus Schmiedeeisen und zerfällt in drei Haupttheile: H dasOberstück oder Kopfstück, welches in einen Ring oder ein Auge endigt; d) die Mit-telstücke oder Bohrstangen, welche meist von 12—1c) (in England jedoch nur von 3)Fuß Länge angewendet und durch Verlaschung oder besser durch Schraubenbolzmsowol mit einander als auch mit dem Oberstücke oder Bohrstücke verbunden wer-den; c)das Unterstück oder Bohrstück, welches nach Maßgabe der jedesmal zudurchbohrenden Gebirgsschicht eine verschiedene Beschaffenheit hat. Für weiche,leichtschncidigs Erdschichten braucht man cylindrische, für sehr zähe und schwer-schneidige Letten- und Mergelschichten conische oder lanzettförmige Lösselbohrer;wogegen bei härtern Steinschichten aller Art nur Meißelbohrer angewendet werdenkönnen. Gewöhnlich wird gleich anfangs eine weite verticale Röhre in die Sohledes Bohrschachtes gerammt, um die Mündung und Richtung des Bohrloches zu