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Artesische Brunnen
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lich wichtig ist, und außerdem zur Auffindung von Kohlen, Kalk, Salz u. a. nutz-baren Mineralstossen in Gegenden führen kann, wo man das Dasein derselben nim-mer vermuthete. Obgleich die Bohrbrunnen ihren gewohnlichen Namen, artesischeBrunnen, zuüts urtesieus, der Grafschaft Artois in Frankreich verdanken, wo siein der Mitte des vorigen Jahrhunderts sehr in Aufnahme kamen, so sind sie dochkeineswegs eine Erfindung der Franzosen, sondern weit früher in Ostreich undOberitalien in Gebrauch gewesen als in Frankreich. Daß seit noch längerer Zeit inChina Bohrbrunnen gebraucht und noch gegenwartig zur Gewinnung sowol vonSalzsoolcn als auch von brennbaren Gasen bis zu den erstaunlichen Tiefen von 20Cl>,ja 3WE Fuß niedergebracht werden, kann allenfalls wahr sein, ohne daß daraus zufolgern wäre, eine an sich so einfache Idee sei aus dem Oriente nach Europa ge-kommen. Vielmehr mag wol der Zufall in Oberitalien oder Ostreich ebenso auf dieErfindung derselben geführt haben, wie noch 1815 der Pumpenmacher Nigge zuMünster ganz zufällig einen artesischen Brunnen herstellte, ohne vielleicht jemalsetwas von Brunnen der Art gehört zu haben. — Die Theorie der artesischen Brunnenist höchst einfach und, ihrem Wesen nach, keine andere als die jedes Springbrun-nens. Denkt man sich z. B. eine mehre hundert F. lange, gegen die Horizontalebenegeneigte Röhrfahrt mit Wasser gefüllt, so wird das letztere aus jeder in der Röhr-wand vertical aufwärtsgebohrten Öffnung mit um so größerer Gewalt und zu einerum so größern Höhe emporspringen, je tiefer der angebrachte Punkt in der Röhr-fahrt liegt. Die Höhe, bis zu welcher das Wasser springt, würde, wenn man vonden mancherlei hydraulischen Hindernissen und dem Widerstande der Luft abstrahirt,genau dem senkrechten Abstände des angebohrten Punktes unter dem obern Niveaudes Wassers in der Röhrfahrt gleich kommen. Stellt man sich vor, das Wasser seinicht in einer geneigten Röhre, sondern zwischen zwei, weit ausgedehnten, parallelen,gegen den Horizont geneigten wasserdichten Wänden eingeschlossen, so würde derErfog offenbar ganz derselbe fein. Aus jedem verticalen Bohrloche in der obernWand würde das Wasser um so heftiger und höher aufwärts springen, je tiefer derangebohrte Punkt liegt. Statt der obern Wand könnte man sich auch eine, nachallen Richtungen und also auch aufwärts ausgedehnte, wasserdichte Masse denken,durch deren ganze Mächtigkeit das verticale Bohrloch hindurchgetrieben wird, wel-ches dann als eine förmliche Steigröhre für den freigewordenen Strahl der eingepreß-ten Wasserschicht zu betrachten wäre. Diese letztere Vorstellung entspricht vollkom-men den Verhältnissen, wie sie von der Natur selbst im Großen hervorgebracht seinmüssen, sobald die Anlage eines artesischen Brunnens gelingen soll. Eine zwischenzwei wasserdichten und in ihrer Gesammtausdehnung gegen den Horizont geneigtenGebirgsschichten eingepreßte Wasserschicht ist die erste Bedingung für die Möglich-keit artesischer Brunnen. Allein außer dieser ersten absoluten, ist eine zweite relativeBedingung für die Möglichkeit eines solchen Brunnens an einem bestimmtenPunkte der Erdoberfläche, daß dieser Punkt über der eingepreßten Wasserschicht,jedoch viel tiefer als das obere Niveau derselben gelegen sei. Sobald man sich durchgeognostische und geodätische Untersuchungen von dem Vorhandensein dieser beidenBedingungen überzeugt hat, so ist das Maximum der Wahrscheinlichkeit vorhan-den, daß die Anlage eines artesischen Brunnens gelingen werde. Und glücklicher-weise sind beide Bedingungen in der Natur sehr häufig verwirklicht. Es ist bekannt,daß die neuern und neuesten Gebirgsformationen aus abwechselnden, mächtigenSchichtensystemen von Sandstein, Kalkstein,. Mergel, Thon und Sand bestehen,welche sich oft mit einer bewundernswerthen Stetigkeit über große Landstricheausbreiten und meist in der Art folgen, daß die verschiedenen sandfteinartigenund sandigen Bildungen durch kalkige, mergelige und thonigeBildungen von ein-ander abgesondert werden. Im flachen Lande liegen diese Schichten gewöhnlichvöllig oder beinahe horizontal; allein am Fuße der, das flache Land umgebenden