1W Annencolonien
1828); Emerson's „Histor^ of modern dreeee" (London 1830), lind für dieneuesten Verhaltnisse Abercromby Tränt's „iXurrative ok n zourne/ türough^eroece in 1830" (London 1830). (18)
Armencolonien. Wer nicht arbeiten will, soll auch nicht essen, dies istder Grundsatz, von welchem jede Armenpflege ausgehen muß, und nur wer nicht ar-beiten kann, darf fremden Beistand anrufen. Überall, wo Menschen in Gesellschaftenverbunden sind, um die sittlichen Zwecke derMenschheit zu verwirklichen, darfIeder vondem Andern fodem, daß er seine eignen Kräfte übe, sich die äußern Bedingungen des Le-bens zu verschaffen, und diese nicht von der Anstrengung Anderer erwarte; dagegenist es allgemeine Gesellschaftspflicht, Denjenigen, die sich jene Bedingungen nichtverschassen können, Unterstützung zu gewähren, sobald die Familienangehörigen,welchen diese Pflicht zunächst obliegt, den nöthigen Beistand zu geben nicht imStande sind. In frühern Zeiten wurde der nothwendige Unterschied zwischenFähigkeit und Unfähigkeit zur Arbeit nicht beachtet, und nach misverstandenen re-ligiösen Ansichten Jedem Unterstützung gewährt, der sich nicht durch eigne Arbeit Un-terhalt erwarb. So ist es noch jetzt in mehren Ländern des südlichen Europa, unddahin ist es durch eine verderbliche Ausartung der ursprünglichen Gesetze der Armen-versorgung auch in den meisten Grafschaften Englands gediehen, wo jetzt Jeder, derseinen Unterhalt gar nicht oder nicht hinlänglich gewinnen kann, einen Anspruch aufvöllige oder theilweise Ernährung an seine Gemeinde hat,während diese in frühern Zei-ten, bei der Verbindlichkeit zur Bezahlung der Armensteuer, berechtigt war, arbeitsloseGemeindeglieder zur Arbeit anzuhalten; es ist dahin gekommen, daß dort jetzt dieArmensteuer jährlich auf beinahe 50 Millionen Thaler steigt, von welchen ein gro-ßer Theil zur Erhaltung unbeschäftigter Menschen verwendet wird, sie mögen zurArbeit fähig oder unfähig sein. Eine solche unfruchtbare Verwendung des Na-tionalvermögens hat überall die Armuth vermehrt, statt ihr abzuhelfen, weil sie denTrieb zu eigner Anstrengung erstickt hat. Je größer nun in neuern Zeiten durchmannichfaltige, in der Entwickelung der gewerblichen Verhältnisse gegründete Ursa-chen derjenige Überschuß der Volksmenge wurde, für dessen Arbeit keine hin-längliche Nachfrage war, desto mehr hat man den Grundsatz festgehalten, daß beider Unterstützung der Dürftigen die Arbeitsfähigen von Denjenigen unterschiedenwerden müssen, die aus physischen Ursachen nicht im Stande sind, sich durch eigneKraftanftrengung ihre Lebensbedürfnisse zu verschaffen, und daß die Armenpflegebesonders daraufgerichtet sein muß, den Arbeitslosen in Stand zu setzen, sich ohnefremden Beistand zu ernähren. In den Mitteln aber zur Erreichung dieses Zweckeszeigte sich große Verschiedenheit. Gewöhnlich verschaffte man den Arbeitslosen Ge-legenheit, sich durch Handarbeiten, durch Hervorbringung von Fabrikaten ihren Un-terhalt zu verdienen. Daher Industrieschulen, Arbeitsanstalten für Arbeitslustige,Zwangsarbeitsanstalten für Träge und Arbeitsscheue. Eine solche beschränkte Tä-tigkeit hat aber, zumal in dichtbevölkerten Ländern, nur zu oft die Folge, daß mehr er-zeugt wird als der Bedarf fodert, und daher die einseitig geleitete Arbeit keine Nach-frage findet. Die Erfahrung zeigt, daß die meisten Industrieschulen und Arbeitsan-stalten kränkeln, die Fortschritte der Verarmung nicht hemmen, und daß die in densel-ben zur Arbeit angeleiteten Dürftigen zu einer sichern, von dem Wechsel der Verhält-nisse unabhängigen Erwerbung ihres Unterhalts nicht in Stand gesetzt werden, weilsie an eine beschränkte Thätigkeitgewöhnt, nur wenig Hülfsmittel in sich selbst finden.Dies hat zu Versuchen Anlaß gegeben, Feldbau mit mechanischen Arbeiten zu ver-binden, wie es Robert Dwen (s. Bd. 8) zu Lanark in dem dichtbevölkerten, ma-nufacturfleißigen Niederschottland that, der jedoch der Fabrikthätigkeit ein entschie-denes Übergewicht gab. Das Verdienst, die Erhaltung der Armen auf die einfachsteund naturgemäßeste Grundlage, auf den Anbau des Bodens zu stützen, gebührteinem Holländer. Schon früh waren in den Niederlanden und in den Nachbar-