l00 Armatolen und Klephten
Felsenhöhle, siel den Albanesern durch Verrath in die Hände und wurde zu Kon- i«stantinopel mit den fürchterlichsten Martern hingerichtet (s. Fauriel, I, Nr. Z() /und 31). Um diese Zeit, vorzüglich seitdem die ionischen Inseln unter Frank- 'reichs Botmäßigkeit gekommen waren (1807), begab sich ein großer Theil der Ar- ^matolen und Palikaren in Kriegsdienste auf diese Inseln. Es ward aus ihnen ein ! 'eignes Armeecorps gebildet, das auf die verschiedenen Inseln vertheilt wurde;1814 ward es jedoch durch die Engländer wieder aufgelöst, worauf die meistenArmatolen mit ihren Palikaren in die Heimath zurückkehrten. Nachdem man indemselben Jahre die Hetairie erneuert und bestimmter organisirt hatte, wurdennach und nach die meisten Armatolen und Klephten für sie gewonnen. Alle warenschon für den Ausstand vorbereitet, als sich ihnen Ali Pascha in die Arme warfund dadurch ihren Planen und Bewegungen eine freiere Entwickelung gestattete.
Die Gesammtmacht der Armatolen betrug 1820, kurz vor dem Aufstande,über 12,000 M., welche unter Ali's Schutze theils feste Stellungen eingenommenhatten, theils willkürlich ihren Aufenthaltsort in verschiedenen Theilen des nörd-lichen Hellas wechselten. Die bedeutendsten Stationen waren: in der Provinz Chi-mera (den akrokeraunischen Gebirgen) im nordlichen Albanien führte der ArmatoleEustrates eine Schar von 500 Palikaren; die Provinz Arta im Niedern Albanienbis zu dem Gebirge Tzomerka am Pindos (Mezzovo) hatte Gogo mit 200 P. be-setzt; Akarnanien (Leromeros) schützte Georg Varnakiotis, der jedoch beim Aus-bruche des Aufstandes seinen Ruhm durch ehrlose Flucht schändete; Georg Aongas,früher Protopalikari des obengenannten Katzantonis, deckte mit 150 P. das Gebietvon Prevesa und die Umgegend bis an den ambracischen Meerbusen; zu Karpenisiin Phocis stand Saphakas (der 1827 vor Athen siel) mit 200 P.; zu Kaky-Skala,in der Provinz Lepanto, Georg Makry mit 300 P.; Lokris schützte NikolaosSturnaris, der vor Missolonghi umkam. Das Gebirgsland des Agrapha deckteder unerschrockene Karaiskakis, einer der berühmtesten Helden des Freiheitskampfes(der gleichfalls 1827 vor Athen blieb) mit 000 P.; das des Kissovo (Parnassos)Mitzo Kondojannis mit 250 P.; Livadien Johannis Panuryas mit 200 P.;Kaltzodemos (der vor Missolonghi siel) mit 400 P. das eigentliche Attika und dieGegend bis zu den Thermopylen. Als später Odysseus seine Stelle einnahm, sam-melte er eine Zahl Palikaren um sich und nahm als Klephte am FreiheitskampfeTheil. Die Gebirgsländer des Olympos und einen Theil von Thessalien schützteGeorg Karatasso mit 1000 P. und Christos Mestenopoulos stand mit 200 P. aufEuböa. An der Spitze der Soulioten stand der Held Markos Botsaris. — Diese,im Vereine mit mehren Klephten, waren es, welche beim Anfange des Freiheits-kampfes die Hauptstärke der den Griechen zu Gebote stehenden Landmacht bildeten.Es ist hier nicht der Ort, ihre Thcilnahme an demselben im Einzelnen zu verfolgen.Wie sie zum größten Theile fördernd, bisweilen hindernd, am Werke der Befreiungarbeiteten, Hcldenthat und Heldentod der Meisten, Verrath und Treulosigkeiteiniger Wenigen, sind bekannt (f. Aufstand der Griechen Bd. 4, undTürkei und Griechenland Bd. 12). — Wir bemerken nur noch, daßder Griechenaufstand und die endlich erlangte Befreiung die Stellung der Ar-matolen überhaupt völlig veränderte und wahrscheinlich ihr allmäliges Verschwin-den zur Folge haben wird. Denn so sehr man auch in den ersten Jahren desBefreiungskrieges die Dienste der getrennten Armatolen und ihrer Scharen zuschätzen wußte, und so sehr auch die Art ihrer Kriegführung dem Terrain angemessenwar, so sehr wurden doch im Fortgange des Kampfes die Mängel einer undiscipli-nirten und ganz ohne Einheit in Plan und Ausführung handelnden Masse fühlbar,welche nur durch die zweckmäßige Organisation eines geordneten, nach europäischemMuster disciplinirten Heeres gehoben werden konnten. Die ersten Versuche dazu,meistens von Ausländern eingeleitet, fanden an dem Ehrgeize der Armatolen und