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Erster Band (1832) A bis E
Entstehung
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54
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54 Algier

der herrschenden Geschlechter schwächten die Kraft des neuen Volks; endlich zog amAusgange des arabischen Mittelalters in Nordafrika, im Anfange des 16. Jahr.Hunderts (1517), mit dem Seeräuber Dfchereddin (Hayradin oder Chair-eddin)Barbarossa das Freibeuterleben osmanischerKriegcr und^er türkische Despotismuseines Rauberhauptmanns in Algier ein. Seitdem ging Spaniens Macht in Nord-aftika unter und zugleich die Sicherheit des mittelländischen Handels. Vergebensvon Karl V. (1541), von Ludwig XIV. (1682, 1683 und 1687), von Spanien(1775), von britischen, holländischen und nordamerikanischen Flotten H bald be-droht, bald gcdemüthigt, trotzte dieser kleine, von türkischen Abenteurern tyranni-siere Corsarenstaat 306 Jahre hindurch der Macht von Europa und dem Völ-kerrechte. Zwar entwarf vor 100 Jahren der edle Menschenfreund, der Abbevon St.-Pierre, einen Plan zur Vertilgung dieses afrikanischen Raubbienenstocks;die Mittel, welche er vorschlug, waren eine Verpflanzung des Ordens des h. Jo-hannes nach Algier und Civilisation; aber dies war, wie seine Idee eines ewigenFriedens, nach des Cardinals Dubois Ausdruck, nur der Traum eines ehrlichenMannes. Später hatte Napoleon die Absicht, nach dem fünften Artikel des gehei-men Tractats von Tilsit vom 7. Jul. 1807, die Städte Afrikas, als Tunis, Al-gier u. s. w. zu erobern, die nach dem Frieden den Königen von Sardinien u. Sicilienals Entschädigung gegeben werden sollten. Hierauf beschloß (1818) der aach-ncr Congreß, die Seeräuberrepublik zu vernichten; aber Englands Handels-politik, die seit 1662 mit ihr Verträge geschlossen hatte, duldete ihre Fortdauer.Endlich machte ein Fächerschlag, durch welchen der letzte Dey Hussein den französi-schen Consul im April 1828 persönlich beleidigte, dem schimpflichen Hader Algiersmit Europa ein Ende.

Der Deputirte Laborde versuchte zwar in einer vielgelcsenen Broschüre (April1830) zu beweisen, daß Frankreich völkerrechtwidrig handle, wenn es Algier mitKrieg überziehe: denn die französische Regierung habe die Federung des Dey an denfranzösischen Schatz, Namens der algierischen Kaufleute Bacri und Busnach,welche 1819 durch einen Vertrag auf 7 Millionen Francs festgesetzt worden,nicht gehörig berücksichtigt, vielmehr den, einigen französischen Gläubigern auf dieseSumme vorbehaltenen Anspruch zum Nachtheil des Dey begünstigt; auch sei dasBenehmen des französischen Consuls Deval, das ihm den Unwillen des Dey zuge-zogen, nicht zu rechtfertigen, noch weniger könne dasselbe eine Kriegserklärung be-gründen; allein derMoniteur" rechtfertigte dagegen den algierifchen Krieg durchfolgende Thatsachen, wobei er freilich bis in das 15. Jahrhundert zurückging.Schon seit 1450, sagte dieses Blatt, gehöre Frankreich an der afrikanischen Küstevertragsmäßig ein bedeutender Landstrich, noch jetztCoiwessious 6'Xl'ritiue" ge-nannt, dessen Besitz es feit 1817 wiedererlangt habe. Dieser Landstrich habe durchseine günstige Lage, durch seinen Reichthum an Getreide, Vieh, Wolle, Wachs undHonig, durch den Waarenabsatz im Innern von Afrika und durch die Ergiebigkeitder daselbst betriebenen Korallensifcherei dem französischen Handel in frühern Zeitengroße Vortheile gewährt. Insbesondere sei durch Verträge mit der Pforte und mitAlgier Frankreichs ausschließliches Vorrecht der Korallensifcherei auf einer Küsten-sirecke von 60 Stunden förmlich anerkannt und die dafür zu entrichtende jährlicheGeldleistung, die ursprünglich nur 18,000 Fr. betragen habe, bei Erneuerung desPrivilegiums 1817 auf 60,000 Fr. vertragsmäßig erhöht worden; Frank-reich habe sich sogar zwei Jahre später eine fernere, vom Dey verlangte Erhöhungbis zu 200,000 Fr. gefallen lassen. Allein der Dey habe weder die Hoheitsrechte

*) Von dem englischen Admiral Blake 1666, von einer englischen und hollandischenFlotte 1663 und 1670, von dem amerikanischen Kommodore Decatur 1815, von einerenglischen und hollandischen Flotte unter Sord Exmouth und dem Admiral Ban derCapellen 1816.