Ägypten
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als sie nicht mehr die kostbar gerüsteten Osmanli sahen, sondern Kriegsleute in gro-ben Jacken mit langen Nageln, wie sie's nannten, aus den Flinten, ruhig in Reihenziehend. Aber das erste Gefecht, welches das ägyptische Nizam bestand, war ein ent-scheidender ^ieg, und als die frohe Botschaft nach Kahira kam, sprang Moham-med Ali entzückt vom Divan auf. Die Mahnungen der Pforte, die Beistand gegendie Griechen foderte, nöthigten ihn zu neuen Rüstungen, da er den Befehlen desSultans nicht langer ausweichen konnte, ohne die Betheuerungen seiner Unterthanen-trcue verdachtig zu machen. Er befahl die Einschiffung seiner übrigen vier Regimen-ter, die aus 16,000 M. bestanden, wahrend er zu gleicher Zeit aus den Kriegslusti-gen, die zu dem Lager strömten, drei neue bildete. Seve, der nun sein Werk vollendetund ein Heer von 24,000 M. gebildet hatte, that den Schritt, der einem Manneübrig blieb, welcher in seiner Heimath Alles verloren und nur im fremden Lande einbelohnendes Ziel seines Ehrgeizes sah. Er hatte schon lange, durch Mohammed'sFreigebigkeit unterstützt, glänzend nach morgenland. Sitte gelebt und sich drei Wei-ber, Sklavinnen aus Habesch, genommen. Einen Rang im Heere durfte der Pa-scha ihm nicht geben, da ein Christ nicht zum Befehlshaber über Osmanli erhobenwerden konnte. Seiner weitgreifenden Wirksamkeit, seiner wichtigen Dienste un-geachtet, ward er so wenig als andere christliche Offiziere zum Heere gerechnet; ihreDienstleistungen wurden nur durch Gehalterhöhungen belohnt, und immer mußtensie sich mit dem Namen Talemdschi (Lehrer) begnügen. Die Würde eines Bey undder Befehl über ein Regiment waren der Preis, und Seve ging zum Islam über.Er heißt seitdem Soliman Bey.
Bei der neuen Heerbildung war, außer Seve, besonders der Türke OsmanBey Nureddin wirksam. Er ward in früher Jugend von dem Pascha nach Europageschickt und brachte einige Jahre in Frankreich und Italien zu, wo er sich mit dereuropaischen Literatur bekannt machte. Nach seiner Rückkehr übersetzte er die fran-zösischen Armeeverordnungen und Exerciervorschriften ins Türkische, und diese An-ordnungen wurden bei der neuen Heerbildung angenommen. Er gründete 1821eine Elementarschule zu Caser el-ain unweit Kahira, die gegen 600 Zöglinge hatte,sowol Türken als Araber, welche Sprachen, Zeichnen, Arithmetik u. Geometrie, sowiedas Jnfanterie-Erercitium lernen mußten. Aus dieser Schule kamen die Zöglinge indie höhern Lehranstalten oder wurden in der Civilverwaltung angestellt. Diese Anstalt,die spater unter die Leitung eines unterrichteten, aber sorglosen Türken kam, erfüllteihre Bestimmung nicht, da Sitten und Schulzucht in Versall kamen, und als die Leh-rer einst ihre Klagen an den Vorsteher brachten, antwortete er: „Lieber Gott, es sind janur Kinder!" Am Beschneidungsfeste brachte man sogarTanzerinnen und lüderlichsMadchen in den Schulsaal, um die aufParadebettcn liegenden Zöglinge zu zerstreuen.Eine Kriegsschule zur wissenschaftlichen Bildung der Offiziere ward 1825 gestiftet,und zu gleicher Zeit ein Generalstab errichtet, an dessen Spitze Osman Bey kam. DieSchule stand unter der Leitung des französischen Artillerieoffiziers Plannt, unterwelchem mehre Franzosen und Italiener als Lehrer angestellt waren. Die Zög-linge waren Obersten, Adjutanten und Hauptleute, die in der Arithmetik und Geo-metrie, im Zeichnen und Französischen, in der Jnfanterietaktik, Artilleriewissen-schaft, Topographie und Situationszeichnung unterrichtet wurden. Es war an-fanglich mit großen Schwierigkeiten verbunden, die tragen und unlenkfamen Tür-ken an eine tagliche Anstrengung von sechs Stunden zu gewöhnen. Ihr Verstandwar so wenig geübt, daß sie nicht die einfachsten Erklärungen begriffen. DieSchwierigkeit, sich verstandlich zu machen, vermehrte die Hindernisse, bis es einemjungen Orientalisten, König, nach vielen Nachforschungen gelang, die nöthigentechnischen Ausdrücke ins Türkische zu übersetzen; da es aber für viele Ausdrückekeine Wörter in dieser Sprache gab, so bildete Osman Bey mit Hülfe des Arabi-schen neue, die in den Schulen angenommen wurden. Bei dem Unterrichte im