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Erster Band (1832) A bis E
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Afrika

und noch jetzt kann man jährlich an 50,000 dieser unglücklichen Opfer rechnen, ob-wol die meisten Nationen dem Sklavenhandel durch Tractate entsagt haben. Ehe-mals rechnete man allein an 100,000 Sklaven, die jährlich nach Westindien ge-führt wurden, ohne diejenigen in Anschlag zu bringen, welche die Kirmanen nachAsien, die Nordamerikaner in ihre südl. Staaten schleppten. Noch heutzutage wirddieser schandliche, die ganze Menschheit entehrende Handel getrieben, und wer solltees glauben hauptsachlich von den Franzosen, von denen seit 40 Iahren die Befrei-ung aus den Ketten der Feudalherrschaft ausgegangen ist. Erst dann kann diesem ver-brecherischen Wucher mit Erfolg gesteuert werden, wenn die seefahrenden Staatenunter sich einen Vertrag abschließen, in welchem sie einem jeden Capitain gestatten,das ihm auf der See begegnende Schiff von Grund aus zu untersuchen, sonst weißverruchte List die strengsten Verbote zu hintergehen.

Diese Betrachtung leitet von selbst auf den Einfluß hin, den das Ausland überAfrikas einförmige Natur ausgeübt hat. Weil man den Menschen für nichts mehrals eine Waare ansah, hat die Geschichte dieses Erdtheils nur die beiden dem Orientzugekehrten Culturlinien der Oasenzüge aufzuweisen, die ganz gleichartig von W.nach O. und von S. nach N. durch die drei Handelscolonien bezeichnet werden. Nurselten fanden Einwanderungen fremder Völker statt, und das Innereist aller Wahr-scheinlichkeit nach von einem Urstamme bewohnt. Ein Grund hiervon mag auch inseiner inselartigen Abgeschiedenheit von den übrigen Theilen der alten Welt zu su-chen sein, da Afrika nur durch den schmalen wüsten Völkersteig, die Landenge beiSuez, von jener getrennt ist. Die Geschichtschreiber des Alterthums wollten in derGründung der beiden Herculessaulen im äußersten Norden, an der Küste der Berbe-rn, einen Übergangspunkt von Libyen nach Hespericn von der Rohheit zur Cul-tur andeuten. Hcrodot und seine Zeitgenossen, deren Anschauung das unendlichverschiedenartige Leben war, und die eben deshalb das individualisirte Leben sichzur Aufgabe stellten, hatten nicht so ganz unrecht, daß sie Ägypten nicht zu Afrikazählten; denn von einem höhern Standpunkte aus betrachtet, löset sich diese eigen-thümlich gewordene Culturecke ziemlich bestimmt als selbständiges Glied von demganzen übrigen Erdkörper ab. Wie Afrika schon vor 400 Iahren unter demportugiesischen Prinzen Heinrich dem Seefahrer den Cyclus transmarinischer An-siedlungen eröffnet, so haben in neuerer Zeit britischer Unternehmungsgeist undholländische Beharrlichkeit für die Völker am Vorgebirge der guten Hoffnungneue Quellen des Wohlstandes aufgethan, und an der Küste von Sierra Leoneeine Pflanzstätte (s. Liberia) zur Bildung der Neger begründet. Frankreich selbstscheint, nachdem es den Naubstaat Algier gedemüthigt, das maurisch-türkischePhlegma aus seiner trägen Ruhe wecken, und an der Ausklärung dieses noch in derKindheit sich befindenden Landes regen Anthcil nehmen zu wollen. Versuchen wirnun zu zeigen, was in dieser Hinsicht schon früher geschehen ist, was sowol ganzeRegierungen, als Gesellschaften oder Einzelmenschen für die genauere Kenntnißvon Afrika gethan und erreicht haben. Nebst den Griechen undNömern, und darun-ter hauptsächlich einemHerodot, Strabo, Diodor von Sicilien, Dionysius vonHa-likarnaß, Arthicus, Hanno, Skylax, Aman, Agatharchidas, Ptolemäus, Plinius,Pomponius Mela, Solinus haben sich besonders die Araber um die ErdkundeAfrikas verdient gemacht. Schon im 10. Jahrhundert gab Massud!, mit demBeinamen Kothbeddin, in seinerVergoldeten Wiese" und in derGrube der Edel-steine" eine Beschreibung von Afrika heraus. Nicht lange darauf schrieb Jbn-Haukal und später Jbn-al-Wardi in seinerWunderperle" recht ausführlicheNachrichten über Afrika nieder. 1153 aber hat der Scherif Al-Edrisi, ge-wöhnlich der Geograph von Nubien genannt, in seinen geographischen Erholun-gen (Noghat-Al-Moichtak") welches wörtlich Unterhaltung eines Neugierigen be-deutet, einen reichen Schatz von Bemerkungen und Nachrichten über Afrika enthüllt.