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Die Nachsicht und gewissermaßen Vorliebe des Heiligen fürjenen Helius wurde der Grundstein alles folgenden Verderbens.Hclius war einer der schlauesten, ränkevollsten und machiawellistischconsequcnlesten Mönche aller Zeiten und dabei ohne Zweifel mehrbcncdictinischen als franziskanischen Geistes; mehr geneigt, die welt-lichen Tendenzen des Mönchsthum zu verfolgen, als dem beschau-lichen Wandel und der Frömmigkeitsform sich hinzugeben; mehr ge-sonnen, den Herrn der Brüderschaft als ihren ersten Diener zu spielen.
Er war im General-Ministerium der unmittelbare Nachfolgerdes Stifters und schien dessen Andenken gleichsam verhöhnen zuwollen, indem er schon 1229, im Jahr von dessen Heiligsprechung,die Ordensregel und daS Testament geradezu verletzte, das Haupt-grundgesctz der Armuth umstieß.
Auf Befehl des Papstes Gregor IX. sollte eine Kirche zurEhre des heil. Franz erbaut werden. Helius dachte nicht daran,eine bescheidene Franziskanerkirche zu bauen, sondern strebte nach ei-,nem Prachtgebäude. Dazu bedurfte er des Geldes, um dieses zuerlangen, schrieb er eine Eontribution in allen Provinzen des Or-dens aus und gebot, in den Kirchen der Minoritcn Almosenstöckeaufzustellen, um die Gläubigen zu reichen Beiträgen aufzumuntern.
Empört über diesen Frevel gegen den bestimmten Willen desStifters, widersetzten sich die ältesten Gefährten und Schüler desseraphischen Vaters mit kräftigen Worten und rissen, als alle Wortefruchtlos blieben, jene Almoscnstöcke an den Kirchthüren nieder.Helius ließ sie nicht nur wieder aufrichten, sondern erzielte noch dasPrivilegium wesentlicher Milderung in der Regel. Mit dem h. Antonvon Padua an der Spitze, erhoben sich viele Mönche 1230 zuoffener Empörung, wendeten sich an den Papst und erreichten beiihm, zwar nicht die Zurücknahme jener Privilegien, aber doch dieAbsetzung deS Helius und die Ernennung des Paters Johann Pa-rent zum General, welcher die regulirte Zucht wieder herstellen sollte.
Ergrimmt über solchen Schimpf und fest entschlossen, die Zügelder Regierung wieder in seine Hand zu führen, heuchelte Heliusdem Papst gegenüber Resignation und Demuth, entsagte seinenPrivilegien und zog sich in die einsamen von Franz erbauten Zellenbei Cortona zurück. Von dort aus blieb er unablässig in geheimerVerbindung mit allen Mönchen, welchen die Gesetze minorilischerArmuth ein Dorn im Auge waren und stachelte sie auch so gewandt,daß sie in dem Generalkapitel von 1236 seine Absetzung sehr stür-misch für unrechtmäßig erklärten, seine Wiedereinsetzung verlangten.Ungeachtet aller Einreden der strengen Brüder, ertheilte der Papstihm auch wirklich das Generalat wieder. Entschiedener als zuvornahm er Partei für Alle, welche die Gesetze der Armuth gemildertzu sehen wünschten. Aber auch entschiedener als je vereinigten sichdie Strengen unter der Leitung des Paters Cäsarius v. Spira,um solchem Unwesen Einhalt zu thun.