Druckschrift 
2 (1837)
Entstehung
Seite
127
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Dritter Orden des h. Franziskus. Der h. Franziskusstiftete 1221 einen dritten Orden für die Weltleute beiderlei Ge-schlechts, die es bleiben wollten, sich aber gewissen, ihren Verhält-nissen angemessenen Hebungen der Frömmigkeit unterwarfen, wozusie jedoch keineswegs unter einer Sünde verpflichtet waren. DieseHebungen waren blos Verhaltungsregeln, die weder ein Gelübdenoch Verbindlichkeiten auferlegten. Nach dem Tod des h. Franzis-kus haben sich mehrere Personen dieses dritten Ordens zu verschie-denen Zeiten und an verschiedenen Orten in einer Genossenschaftvereinigt: sie beobachteten die Elausur und legten die feierlichen Ge-lübde der Armuth, der Keuschheit und des Gehorsams ab. Dahingehören die Elisabeth ine rinnen, die grauen Schwestern,Büßerinnen, Rekollcctinnen?c.

Die männlichen Glieder des dritten Ordens des h. Franziskus,die sich dem Dienst der Irren und anderer Kranken widmen,legen gemeiniglich nur die einfachen Gelübde der Keuschheit, derArmuth und des Gehorsams gegen ihre Diücesanbischöfe ab, wozunoch das Gelübde der Krankcnbedienung kommt. Sie befolgen diedritte Regel des heil. Franziskus und leben in Spitälern oder Verei-nen, die sie Familien nennen. Dieser Art sind in Spanien die dieKranken bedienenden Minimcn, auch Obregoner genannt.

An einigen Orten gibt es Büßer aus dem dritten Ordendes heil. Franziskus (Mönche des dritten Ordens der Minori-tcn von der Buße), die sich mit dem Volksunterricht und anderenAmtsverrichtungen abgeben, gleich den mindern Brüdern. Unter ih-nen ragt besonders die sogenannte Congregation von Pikpus (Hie-pucos) hervor

Von dem ehemals so zahlreichen Orden der Franziskaner be-steht jetzt kein Drittheil mehr. Doch blüht der Orden in den Ko-lonien außer Europa noch auf die alte Weise fort. In Jerusalembewacht er das heil. Grab. In Wien hüten die Kapuziner dieKaisergruft. Veredelt zeigt sich der Orden in der kathol. Schweiz,wo die Franziskaner von beiden Geschlechtern sich zweckmäßig mitUnterricht und Erziehung der Jugend beschäftigen.

Minoriten-Cäsariner.

Kein Heiliger wurde so hoch verehrt wie Franz von Assisi,keines Heiligen Worte wurden in so hohem Grad für wahre Orakelerklärt, wie seine schlichten, einfachen Reden. — Dennoch liefertkeiner von allen Mönchsorden das Beispiel so schneller Reformationund so eifrig, ja fanatisch durchgesetzter und verfolgter Aenderungen.Keines andern Ordens Brüder ließen zu gleichen Feindseligkeiten, glei-cher Leidenschaftlichkeit, gleicher Empörungslust und gegenseitigerVerfolgungswuth sich hinreißen — wie die Söhne des Mannes derLiebe und Demuth und Herzenseinfalt.