Druckschrift 
2 (1837)
Entstehung
Seite
104
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— IV4 —

Sprach der fromme Man» zu seinem Diener:

Unsre Schwestern lobe» ihre» Schöpser,

Laß denn uns auch in der Schwestern Mitte

Unsre Horas singen. Plötzlich schwiegen

Alle Vögel» lauschten auf die Horas,

Fuhren fort dann, wie vorhin zu jubeln.

Als er einstens in Vcnedig's Sumpfen

Myriaden Vögel spielen sähe,

Sprach er liebreich mahnend: Traute Schwestern,

Große Ursach' habt ihr, Gott zu loben.

Leichte Schwingen hat er euch gegeben,

Euch zu wiegen in den klaren Lüften;

Hat euch angethan mit weichen Federn,

Euch zu schirme» vor des Frostes Strenge;

Hat beschicken euch des süßen Liedes

Edle Gabe, die das Herz erquicket.

Freundlich sorgt für euch der fromme Vater,

Speist und tränkt und deckt und wärmt und schützt euch,

Ohne daß ihr spinnt, noch sät, noch ärndtet.

Liebe Schwestern, wollet das bedenken

Und den guten Bater zärtlich lieben.

Also sprach er und die Vöglein alle

Mit gestreckten Halsen, mit gespreizten

Fittigen, mit aufgesperrten Schnäbeln,

Lauschten auf des Freundes fromme Predigt;

Fuhren fort dann, wie vorhin zu spielen.

L. G. Kosegarten.

Jahr 1182 wurde zu Assisi in Umbrien (Herzogthum Spo-letv) dem Kaufmann Pietro Bernardone ein Sohn geborenund Johannes getauft. Der auf Gewinn und Geld ziemlich er-pichte Vater erzog den Sohn sehr eifrig für sein Geschäft und er-lebte die Freude, daß er den Jungen zeitig zu bedeutenden Unter-nehmungen gebrauchen konnte, obgleich er zu sanguinischer Lockerheitnicht unbedeutende Anlagen entwickelte. Nach einer Handelsreisedurch Frankreich kehrte er so durchdrungen von französischer Sitteund Sprache zurück, daß seine Landsleute ihn anfänglich SiKiwrt'runcoso, den Herrn Franzosen, nannten. Allmälig wurde aus?ra,ioe8v der Name Francesco und blieb ihm so fest, daß mandarüber seinen eigentlichen Taufnamen Johannes mit der Zeit völligvergaß und die ganze Welt ihn nur Franz von Assisi nannteund noch heute nennt.

Neben entschiedenem Hang zu Aufwand und außerm Glanz,Vergnügungen und Lustbarkeiten, äußerte sich bei Franz von Kind-heit auf eine schöne Leidenschaftlichkeit für Mildthätigkeit, ein wahr-haft christlicher Sinn für Wohlthun, brüderliche Liebe gegen die Ar-men und überschritt dabei sehr oft die Grenzen, welche der gewöhn-liche Kaufmann sich steckt.

Bei einer Fehde seiner Vaterstadt mit Perugia wurde er miteinigen Waffengcfahrten gefangen. Die Bedrängniß der Haft hatteihm seinen fröhlichen Leichtniulh nicht geraubt, aber eine nach er-