Druckschrift 
2 (1837)
Entstehung
Seite
101
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reiche Regnlirung der Chorherren, die lcbcnvcrkündcnde VerbesserungBenedicts von Anianc, der hohe Ernst der Clugnyacenser, der heil.Schwung der Cisterzicnser, das würdevolle Streben der Pramon-stratcnscr, alle ernsten Bemühungen benedictinischer Congregationenund die zu so herber Strenge zurückkehrenden Orden von Valom-brosa, Camaldvli?c. sich selbst und die Welt um alle schönen Hoff-nungen sehr bald getauscht hatten und taglich tiefer rind tiefer sanken.

Das Mvnchswesen schien verloren und war es auch in derAM Jnuocenz sah dies ein und war ihm daher nicht besondershold. Aber sein Geist überwand den Widerwillen, weil er zugleicherkannte: wie innig und fast unzertrennbar Papstlhum und Mo-narchismus mit einander verbunden waren, wie machtig das MvnchS-wescn die christliche Religion nach Außen stets weiter verbreiteteund damit gleichsam den Schaden, den es im Innern anrichtete,wieder ersetzte.

Können und dürfen wir verlangen, daß auch der erleuchtetesteKopf des 13. Jahrhunderts über manche Dinge unsere jetzigen An-sichten theilen soll? Dürfen wir so arrogant sein, daß wir einemGeist wie Jnnocenz jede redliche Absicht bestreiten, jeden reinenWillen ableugnen sollten? Dürfen wir darüber mit dem Mannmachtigen Geistes und kraftvollen Charakters rechten, weil er viel-leicht den Gedanken hatte: das verderbte Mönchswcsen, welchesaufzuheben und zu reinigen ihm selbst unmöglich war, durch einreineres und besseres Mönchswcsen zu lautern oder zu zerstören?Haben wir irgend eine Befugniß zu leugnen, daß nicht der sounerwartet ihm begegnende Gedanken des Mendikanteninsiituts ihmwirklich als ein reineres und besseres Mönchsthum erschienen sei?Warum sollte er etwas gegründet haben, wenn er es nicht für nütz-lich und zuträglich hielt? Warum soll dieser kluge Mann voll ge-reifter Einsicht und Umsicht gerade in diesem hochwichtigen Fall ge-gen seine Uebcrzeugung gehandelt haben? Ein Recht haben wirhöchstens, ihm dafür den Vorwurf zu machen, daß er in seinenErwartungen sich getauscht, in seiner Berechnung sich geirrt hatund dies vielleicht nur, weil er dabei vergessen hatte zu erwägen,daß er selbst alt und sterblich sei und wahrscheinlich nicht so baldwieder einen Jnnocenz zum Nachfolger auf dem heiligen Stuhlhaben würde.

Genug, trotz seines nicht verhehlten Widerwillens gegen dasMönchswesen und trotz der authentischen Erklärung gegen Errich-tung neuer Orden, sahen wir unter seiner Regierung den glücklichenVersuch zu Vereinigung der Einsiedlerhorden, die Stiftung derDominikanerinnen, die Entstehung der Karmeliter, der Dominikaner,Trinitarier, armen Katholiken :c. Begreiflicher und anschaulicherwird uns nun wohl das bei weitem wichtigste Institut — die Bil-ligung der Bettelmönche (Mendikanten) erscheinen, welche auf