Druckschrift 
Friedrichs des Grossen Gedanken über Staat, Kirche, Fürsten und Volk
Entstehung
Seite
49
Einzelbild herunterladen
 

49

würdigen. Wenn die Fürsten sich losmachten vondiesen irrigen Ideen, und zurückgehen wollten auf denAnfang ihrer Einsetzung, so würden sie sehen, daßdie Würde, daß ihre Erhebung, auf welche sie so stolzsind, nur das Werk der Völker ist; daß diese Tau-sende von Menschen, welche ihnen untergeben sind,sich nicht zu Sklaven eines einzigen Menschen gemachthaben, um ihn desto furchtbarer und mächtiger zumachen; daß sie nicht einem Bürger unterworfen sind,um die Märtyrer seiner Launen und das Spielzeugseiner Phantasien zu seyn: sondern daß sie denjenigenunter ihnen gewählt haben, welchen sie für den ge-rechtesten hielten, um sie zu regieren, für den besten,um ihnen als Vater zu dienen, für den menschlichsten,um an ihren Unglücksfällen Theil zu nehmen und siezu trösten, für den tapfersten, um sie gegen ihre Feindezu verthcidigen, für den weisesten, um sie nicht zurungelegenen Zeit in zerstörende und verderbliche Kriegezu verwickeln, und endlich für den Mann, der am ge-eignetsten wäre, den Staatskörpcr zu vertreten, undbei welchem die oberste Macht den Gesetzen und derGerechtigkeit zur Stütze, nicht aber zum Mittel die-nen könnte, um ungestraft Verbrechen zu begehenund Tyrannei zu üben.

Stellte man so das Princip fest, so würden dieFürsten stets zwei Klippen vermeiden, welche jeder Zeitden Ruin der Reiche verursacht und die Welt umge-stürzt haben, nämlich den unbegrenzten Ehrgeiz und

3