Cap. l.
Parallactischc Ortsvcränderungen.
47
rallaxe, und sie wird immer ausgedrückt durch denWinkel am Gegenstände ?, indem mau mit-
telst einer Linie die beiden fraglichen Gesichtspunkte ^und L mit einander verbindet. Denn es liegt auf derHand, daß die Differenz der Wiukellage von ? inBezug auf die unveränderliche Richtung von X
und von IZ aus gesehen, die Differenz der beiden Win-kel OZ? und ist; nun ist aber OLIff als deräußere Winkel des Dreieks gleich der Summedes inuern und des gegenüberliegenden, nämlich fi lz?— ff- weshalb OL? — 1)^1' —
7l>) Es folgt hieraus, daß der Betrag der paral-lactifchen Bewegung in Folge einer gegebenen Ver-änderung unseres Gesichtspunktes, unter übrigensgleichen Umständen, um so viel kleiner ist, alsdie Entfernung eines beobachteten Gegenstandes größerist; und wenn diese Entfernung, verglichen mit derVeränderung in unserem Gesichtspunkt, außerordentlichgroß ist, so wird die Parallaxe unmerklich, oder, mitandern Worten, die Gegenstände scheinen alsdann, ihreLage gar nicht zu verändern. Aus diesem Grundsätzeerklärt es sich, woher man in Alpengegenden, die manzum erstenmale besucht, über den geringen Fortschritt,
frei machen können. Wir haben eine wirkliche sphärischeOberstäche innerhalb unserer Augen,che» Sitz des Einpfin-dcns und Sehens, welche Punkt für Punkt der äußernsphärischen Oberfläche entspricht. Aus dieser sind die Sterneu. s. w. wirklich verzeichnet, so wie wir im Terte ange-nommen haben, daß sie es an der imaginären hohlen Him-melskngel sind. Wen» die ganze Oberfläche der Netzhautdurch Licht erregt wird, so verbinden wir sie aus Gewohn-heit mit der Idee einer wirklichen außer uns cristirendcnOberfläche. Dadurch bildet sich in uns der Begriff eincSFirmamentes und eines Himmels, ahcr die concaveOberfläche der Netzhaut selbst ist der eigentliche Sitz allersichtbaren Winkeldimension und Winkelbewegung. DieNetzhaut dem Himmelsgewölbe zu substitniren, würdelinkisch und unpassend in der Sprache sehn, aber im Geistekann man es jederzeit thun. (Siehe Schiller's herrlichesRäthsel über das Auge in seiner Ikuranclot.)