Druckschrift 
Heine-Almanach als Protest gegen die Düsseldorfer Denkmalverweigerung
Entstehung
Seite
167
Einzelbild herunterladen
 

167

Mss KsinR ÜÜW lem MDPldaMIVOenkiUÄl dZNkt. '^)

Von Franx Held (Berlind

Ob das, >vas ich überhaupt schuf in diesem Leben, gut oderschlecht war, darüber wollen wir nicht streiten. Genug, es war groß:ich merkte es an der schmerzlichen Erweiterung der Seele, worausdiese Schöpfungen hervorgingen und ich merke es auch an derKleinheit der Zwerge, die davor stehen und schwindlig hinauf-blinzeln. Ihr Blick reicht nicht bis zur Spitze und sie stoßen sich nurdie Nase» an dem Piedestal jener Monumente, die ich in derLiteratur Europa's aufgepflanzt habe, zum ewigen Ruhm desdeutschen Geistes."

Heine, lieber Börne.

Herr und Frau Pastvr Klotz wanderten seit den erstenNachmittagsstunden ans dem Limetiere iVIcnrtnrnrtre zu Parisherum. Sie waren das ihrem Düsseldvrferthum schuldig, dennans diesem Friedhof gibt's viele Denkmäler berühmter.Künstlerund Düsseldorf ist eine Kunststadt, wie männiglich bekannt. Beieifriger Konsultation ihres Bädcckers hatten sie die Schelle desAufsehers überhört, der um (> Uhr Abends zum Verlassen desKirchhofs aufforderte, lind als sie endlich zum Ausgang kamen,fanden sie v Schreck! das Gitter verschlossen.

Lange suchten sie in den Sarkophag-Gassen umher.

Keine lebende Seele auf dem ganzen Kirchhof!" seufzteschließlich der Pastor gebrochen.

Aber da sitzt ja Jemand!"

Frau Emerenzia zupfte ihren Gemahl am Aermel und wiesauf eine hagere Gestalt hin, die auf einer horizontalen, schlichtenGrabplatte leicht vorgebeugt saß. In der eigenthümlichen Kirch-hofsdämmerung hatte die Erscheinung etwas Räthselhaftes. Siemusterten den regungslos Sitzenden scheu. Der Mann dorthatte die hohle Wange und die Hälfte des phantastisch verwildertenKinnbarts mit der mageren Rechten gestützt, wie im Halbschlaf.Er saß ganz im Schatten. Nur von der Stirn ging ein geheimesAus derFrankfurter Zeitung."