nicht völlig entziehen kann, unterworfen ist, so ist es doch auf der an-dern Seite, derselben Erfahrung gemäß, nicht minder klar, daß jedereinzelne Mensch durch die Freiheit seines Willens und durch Veredlungseiner geistigen Kraft, nicht nur sich selbst den Einflüssen jenes Gesetzesoder vielmehr den daraus entspringenden Hindernissen mehr und mehrentziehen und ihnen entgegen wirken, sondern daß er, wenn er mitvorzüglicher Geisteskraft begabt und vom Glücke in seiner Stellung be-günstigt ist, selbst auf die Vervollkommnung seines ganzen Geschlechtesoft aus das wohltätigste und auf viele Jahrhunderte hin, einwirkenkann, wie unsere Geschichte auf mehr als einem ihrer Blätter zeugt.Diese Auscrwahlten, diese so recht eigentlich vom Himmel zur Veredlungdes Menschengeschlechtes Berufenen sind es, denen man an ihrer Wiegeschon sagen, denen man bis an das Ende ihrer irdischen Laufbahnentäglich wiederholen sollte, welchen hohen Auftrag sie erhalten, welcheschwere Verantwortung sie auf sich genommen haben.
Leben wir der heiteren Hoffnung, daß die Zeit, wo diese Wünsche,wenigstens ihrem größeren Tveil nach, in Erfüllung gehen sollen, nichtmehr so fern von uns ist. Seit mehreren Jahrzehnten ist in beinaheallen Ländern Europas ein Geist der Beobachtung und Untersuchungrege geworden, der sich vorzüglich in den eigentlich sogenannten Natur-wissenschaften äußert. So lebhaft waren seine Fortschritte in allenZweigen unserer Erkenntniß der uns umgebenden Welt, daß diese letztenZeiten mehr Entdeckungen gebracht haben, als viele vorhergehende Jahr-hunderte zusammen genommen. Immer mehr wendet sich dieser Geistab, einerseits von dem Reiche der Dichtkunst und der Romantik, diemehr dem jugendlichen Alter der Völker geziemt, und andererseits vonden gehaltleeren Spekulationen der Metaphysik, um seine ganze Kraftauf die Erkenntniß der Natur zu vereinigen, auf bestimmte, durch Be-obachtung und Berechnung konstatirte Erkenntniß positiver Erschei-nungen. Diese zweckmäßigste aller Beschäftigungen, die der menschlicheGeist wählen kann, wird nicht verfehlen, auch auf ihn selbst wiederwohlthätig zurück zu wirken. In der That scheint sich bereits die Zeitimmer weiter von uns zu entfernen, wo selbst die Besseren mit ober-flächlichen, mit halbverstandenen Ansichten und mit unbestimmten Um-rissen sich begnügten, während man jetzt mit jedem Tage mehr auf festeForm und scharfe Gränze dringt, und selbst bei solchen Untersuchungen,die früher ganz außer dem Bereich der Mathematik lagen und dem Zu-falle überlassen wurden, nicht bloß beobachten, messen und wägen, son-dern auch diese Beobachtungen der eigentlichen Rechnung unterwerfenwill, weil diese, und diese allein uns in den Stand setzt, die ge-wünschte Wahrheit unserer Erkenntniß, wenn auch nicht völlig zu er-reichen, doch uns derselben immer mehr und mehr zu nähern.