senden fielen, so werden wir dadurch eben so wenig auf den Fatalismuseiner ewigen Dauer dieser Kalamitäten geführt werden, als durch diedeuselben Jahrhunderten angehörenden, aller Vernunft Hohn sprechendenHexenprozesse, die eben so viele Unglückliche auf den Scheiterhaufen ge-bracht haben. Beide Uebcl haben aufgehört, weil die Ursachen aufgehörthaben, aus welchen sie hervorgegangen sind. Laßt Mißjahre und neueSeuchen und verheerende Kriege über uns einbrechen, wie schnell wirddann der sittliche Zustand der Gesellschaft unter sein gewöhnliches Niveaufallen. Wenn die Wuth der Kreuzzüge, die nahe zweihundert Jahreganz Europa in konvulsivische Zuckungen versetzte, wieder unter unserwachte, oder wenn, in einer neuen Völkerwanderung, die wilden Be-wohner eines Welttheiles sich, wie ein Meer, über den anderen ergießen— welche Zerrüttungen, welcher Jammer würde die unausbleiblicheFolge solcher Ereignisse seyn. Und doch würden auch sie nur aus den-selben Ursachen hervorgehen, als die sind, welche unsere Ueberschwem-mungen, unsere Erdbeben und andere Erscheinungen der Natur begleiten.Wenn diese physischen und moralischen Erschütterungen für irgend einLand wie die Pest für den Orient, auch Jahrhunderte durch währensollten, so wird doch kein Besonnener daraus den Schluß ziehen, daßsie immer dauern, aber wohl, daß sie so lange fortfahren werden, zuwirken, als ihre Ursache nicht aufgehört hat, die dort die konstantenOpfer der Seuche, und hier die ebenfalls mit jedem Jahre wiederkom-mende Anzahl der Angeklagten und der Verurtheiltcn erzeugt. DieErforschung dieser Ursache also ist es, die unsere ganze Aufmerksamkeiterfordert, da wir sie nicht zu entfernen im Stande sind, so lange wirsie nicht kennen. Der Mensch und das ganze Menschengeschlecht entsteht,entwickelt sich und vergeht nach bestimmten Gesetzen, die der ewige Ur-heber der Natur in sie gelegt hat. Diese Gesetze kennen zu lernen undihre wohlthätigen Wirkungen, so viel in unfern Kräften steht, zu be-fördern, ist das Größte und Edelste, womit wir uns beschäftigen können,weil nur dadurch die wahre Sittlichkeit, diese höchste Zierde des Men-schen, errungen, weil nur dadurch die Perfektibilität des ganzen Ge-schlechtes, die in unsere Hände gegeben ist, erst möglich gemacht werdenkann.
So betrübend daher auch jene Bemerkungen für den Menschenfreundauf den ersten Anblick erscheinen mögen, so tröstend, ja erhebend werdensie bei einer näheren Betrachtung, da sie uns lehren, daß unser Schicksal,im Ganzen genommen, von uns selbst abhängt, und da sie uns zugleichdie Mittel kennen lehrt, durch die allein die Verbesserung dieses Schick-sals erhalten werden kann: Vervollkommnung unserer Erziehung, Ver-edlung unserer Sitten und Gewohnheiten und Verbreitung unsererKenntnisse von uns selbst und von der ringsum uns umgebenden Natur.Weun es, aller Erfahrung verflossener Jahrhunderte gemäß, nicht weiterbezweifelt werden kann, daß der Mensch, wie alles, was da lebt, einemvon dem ewigen Urheber der Natur aufgestellten Gesetze, dem er sich