Druckschrift 
1 (1844)
Entstehung
Seite
115
Einzelbild herunterladen
 

Die Theorie der Sonne.

115

Sonnendurchmesser. „Wenn man,“ fahrt Ressel fort, „dieBeschreibungen vergleicht, welche die meisten Beobachter derDurchgänge der Venus durch die Sonne, (in den Jahren 1761und 1769) von den Erscheinungen entworfen haben, die ihnendie inneren Berührungen der Ränder darboten, so kann mannicht bezweifeln, dass ihnen die Sonne wirklich durch Irra-diation vergrössert erschienen ist.“ Dies haben wenigstenseinige Beobachter auch bei der äussern Berührung angemerkt, l)Iis kann aber keine Folge von Irradiation sein. Die Grösse,welche Dusejour der Irradiation beigelegt hat, ist wenigersicher bestimmt, als das Dasein derselben; denn sic hangt vonden Messungen der Durchmesser ab, welche bekanntlich, selbstbis jetzt noch nicht, mit einer jeden Zweifel zurückweisendenSicherheit gemacht worden sind.

So sicher die Beobachtungen von 1761 und 1769 das Da-sein einer Irradiation zeigen, eben so sicher beweisen die, jetztvon Bessel nngestellten, Beobachtungen, dass dieser die Sonneohne Irradiation gesehen habe. Wenn nun kein Widerspruchentstehen soll, so muss man annehmen, dass Fern röhrevorhanden sind, welche die Sonne durch Irradia-tion v er grossem, und andere, welche sie in ihrerwahren Grösse zeigen. Das Heliometer auf der Königs-berger Sternwarte gehört zu den letztem, das kleinere, vonArgelander benutzte, Fernrohr zu den erstem, obgleich auchdieses die Erscheinung in unerwartet geringer Ausdehnung ge-zeigt hat. Denn wenn die Irradiation in diesem Fernrohre dievon Dusejour angegebene Grösse hätte, so hätte der helleZwischenraum zwischen beiden Rändern schon in der schein-baren Entfernung von 3 Secunden unterbrochen werden müssen,während es, nach Argei an der’s Angabe, in weit kleinererDistanz wirklich geschah.

Bereits in den Jahren 1819 und 1820 hatte Brandes inBreslau Messungen des Sonnendurchmessers angestellt, undseine Resultate mit den B essel’schen verglichen. Hierbei hater der Schwierigkeiten gedacht, denen diese Art Beobachtun-gen mit dem Heliometer durch das sogenannte Wallen derSonnenränder, zumal an heissen Tagen, unterliegen.

I. Encke, Venmänrchgmtg von 1763, S. 07.

8 *