Kräfte der Evangelischen. 105
wird, daß beide in Bereinigung etwas gegen die Evangelischen un-ternehmen sollten. Daher denn, ungeachtet so vielfacher Ungleich-heit, die Evangelischen dennoch nicht eben sehr zu befürchten ha-ben, von papistischcr Macht mit Gewalt bezwungen zu werden,wobei man jedoch einen Unterschied machen muß zwischen Evange-lischen, die für sich einen unabhängigen Staat bilden, und solchen,die in katholischen Landern wohnen, indem die Letztem hinsichtlichder freien Uebung ihrer Religion bei weitem nicht so gesichert sind,als jene ^ °). So beruhte die Sicherheit der Hugenotten in Frank-reich nur auf des Königs Wort und dem Edict von Nantes; undals der König das letztere aufhob, war es in einem Augenblickeum sie geschehen. — Bon Polen können die östlichen evangelischenProvinzen wenig zu fürchten haben. — Die Protestanten in Deutsch-land sind ziemlich stark, so daß sie, wenn sie unter einem Haufenvereinigt sind, einer considerablen katholischen Macht widerstehenkönnen. Die Menge der einzelnen Haupter und ihre verschiedenenInteressen, sowie ihr getrennt von einander Liegen, ist freilich einHinderniß. Dennoch haben die unabhängigen evangelischen Staa-ten nicht zu befürchten, daß sie je durch Zwang um ihre Religionkommen werden. Denn so wie die Gleichheit der Religion dieStaats-Eifersucht nicht aufhebt, wie man oft an Frankreich undSpanien, England und Holland gesehen, so hat auch die Verschie-denheit des Glaubensbekenntnisses gar die Wirkung nicht, daß,wenn ein mächtiger katholischer Staat einen evangelischen überwäl-tigen sollte, die andern päpstlichen Staaten den letztern sogleichaufgeben würden, wenn sie anders an dessen Erhaltung eigenesInteresse haben.
Indessen besieht immer die hauptsächlichste Bürgschaft für dieFortdauer der evangelischen Religion in diesen Staaten darin, daßein jeder innerlich dieselbe wohl zu erhalten sich befleißige; wozuman keine subtilen und spitzfindigen Mittel, wie das Papstthum,sondern nur ganz schlichter und einfacher bedarf. Das Meistekommt wohl unstreitig daraus an, daß man die Kirchen undSchulen mit tüchtigen Personen zu besetzen sucht; daß die Prie-
o-) Den deutlichen Beweis hiervon liefern in »nsern Tagen die ausihrer Heimath vertriebenen Bewohner des Zillerthals.