Druckschrift 
Über das Papstthum : neu bearb.
Seite
92
Einzelbild herunterladen
 

92

Die Jesuiten als Erzieher.

len zu lenken; wobei denn natürlich sowohl deS Papstes, als ihreigenes Interesse stets ihr vorzüglichstes Augenmerk blieb. Dochhaben sie sich auch in verschiedenen Zeiten und Landern durch ihrenungezähmten Geiz und durch ihren Vorwitz, sich in alle politischenDinge zu mischen, in Übeln Credit gebracht; wozu noch kommt,daß die altern Mönchsorden gegen die Jesuiten jederzeit sehr eifer-süchtig sind, weil dieselben ihnen in ihrem Ansehn und Einkom-men großen Eintrag gethan haben.

Um ferner das wissenschaftliche Gebiet desto besser zu beherr-schen, so hatte sich der Papst und seine Creaturen die Censur überalle Bücher angemaßt, damit ja nichts, was ihnen nachthcilig seinkönnte, den Leuten vor Augen kommen möchte. Mit dieser Cen-sur nun wird so leichtfertig verfahren, daß man nicht allein ausden alten Schriftstellern, wenn man sie wieder auflegt, nach Be-lieben ausstreicht, was nicht darin stehen soll, sondern auchganze Stellen, die nicht darin standen, die man aber für dienlicherachtet, hinzufügt. Was aber von Neuem in ihrem Gebiete ge-schrieben wird, das wird Alles sehr genau durchgesehen. Und wennsich doch etwas eingeschlichen hat, was mit ihrem Interesse nichtganz übereinkommt, so wird dasselbe im inlliee exxmKatorio be-merkt, um es in einer folgenden Ausgabe herauszuwerfen. DieSchriften der Widersacher einzuführen, wird ein für allemal ver-boten, und Keiner darf sie lesen, außer die, denen man es aus-nahmsweise verstattet, welches allezeit ganz durchtriebene Leute sind,deren man hinlänglich versichert ist. Auf diese Art können siedann ihrem Gegner andichten, was sie nur wollen, weil ihre An-hänger die Widerlegung ihrer Verleumdungen nie zu sehen bekom-men. Vielfach ist schon von Andern bemerkt worden, daß, nach-dem das ärgerliche Leben der Pfaffen, das von den Protestantenin Schriften so hart angegriffen ward, dem Papstthume einen sogroßen Stoß gegeben hatte, die Papisten sich dadurch wieder zu rä-chen gesucht haben, daß sie nicht allein Alles zusammenklaubten, wasetwa von Einem oder dem Andern unter Jenen versehen worden war,sondern ihnen auch die schändlichsten Dinge andichteten und hernachverlangten, man solle ihnen das Gegentheil davon beweisen; womitsie denn bei der unwissenden Menge oft die schlimmsten Eindrückehervorbrachten. Auch besitzen sie Unverschämtheit genug, von ihren