Druckschrift 
Siehe, ich stehe vor der Thür und klopfe an ...
(Offenb. 3,20)
Seite
49
Einzelbild herunterladen
 

— 49 —

Herzen gerüttelt und geweckt bat, die Seme Stimmenie gehört haben, die kann man nicht richten, diemuß man stehen lassen, bis Er bei ihnen auch klopft.Es ist aber schwer zu glauben, daß der Heiland je-mand vergessen, übersehen oder vorbeigehen werde,daß Er auch nur an Einer Thürc, an Einem Herzennicht klopfen, nicht rufen sollte. Er bat uns, Erhat alle Menschen viel zu lieb, hat zu viel für allegelitten und gethan, als daß Er auch nur Eine Seeleihr Lebcnlang so dahingehen lassen sollte, ohne sie we-nigstens anzuregen und Seine Gegenwart vor ihrerHausthüre zu melden. Er klopft freilich bei Verschie-denen zu verschiedenen Zeiten und Stunden; Er kommtzu Einigen zur dritten Stunde, bei Andern zur sechs-ten, oder neunten, bei Etlichen gar erst zur eilftenStunde. Wo Er also noch nicht geklopft hat, da kannnnd wird Er noch kommen; da richte du nicht, son-dern klopfe an deine Brust; denn wie viele Schlägedes anklopfenden Heilands hast du schon durch dasGeräusch deiner Begierden und Neigungen betäubt,überhört oder nicht geachtet und nicht beantwortet?Wie oft muß sich dein treuer Heiland bei dir abwei-sen lassen? Wie lange muß Er warten? Wie oft wie-derkommen und wieder klopfen und wieder rufen, bisdu Ihm auftbust? ganz aufthust? Darum wird überdich, wenn du dich nicht besserst, ein schwereres Ge-richt ergehen, als über die, welche Seine Stimme,Sein Klopfen nie gebort haben. —

Wer nun in seinem Herzen eine Rührung, Bewe-gung oder Anregung wahr nimmt, die er nicht selbstmachen konnte zoder wollte, die nicht nach seinem,sondern etwa gar wider seinen Willen entsteht oderanhält; — wer ein geheimes Sehnen und Verlangennach Heil und Seligkeit in sich spürt, der widerstehenicht, der unterdrücke es nicht; denn es ist wahrhaf-

5