Biographie. 181
der andern Seite, bildeten den Anstoß zu dieser literarischen Bewegung,die sich gleichmäßig gegen die einseitige Klassicität, wie gegen die ein-seitige Romantik und ihre Ideale von einer Restauration des Mittel-alters wendete und eine moderne Literatur auf Grundlage derneuen Ideen schaffen wollte. Politik, Literatur und Philosophiesollten sich zu einem Ganzen vereinigen, das war das Losungswortjener Sturm- und Drangperiode, die ein neues Element in den Kreisder deutschen Literatur führte: den Journalismus.
Die Führer des „jungen Deutschland" waren allesamt Journa-listen im Beginn ihrer Thätigkcit. Sie hatten alle eine Tendenz imAuge, für die sie schrieben und kämpften. In Neisebriefen undSkizzen, in Plaudereien nnd Essays, in novellistischen wie in philo-sophischen Versuchen tritt stets das journalistische Element vorwiegendhervor. Auch standen sie alle mehr oder minder unter dem EinflüsseHeines, nicht etwa in dem Sinne, daß Heine der Ausgangspunktfür alle ihre Bestrebungen gewesen oder daß er ihnen wesentlich neueIdeen zugeführt hätte, sondern durch die Art und Weise, wie er dieIdeen anderer in die Massen zu schlendern, wie er sie für seineZwecke darzustellen und zu erweitern verstand, wie er so der un-bestrittene Vermittler des großen Gedankenaustausches zwischen zweihervorragenden Nationen wurde. In diesem Sinne stand das jungeDeutschland ganz im Banne Heines.
Auf philosophischem und politischem Gebiete gingen sie freilichüber ihr Vorbild weit hinaus. Trotz aller Zerfahrenheit und Un-klarheit hatten sie doch eine feste Tendenz, der sie willig alles unter-ordneten, für die sie freudig und entschieden eintraten. Dadurch warihr Auftreten von großer Wirkung. Ihre Blätter und Bücherwurden verboten, gerade dadurch aber desto mehr gelesen und ver-breitet; ihre Existenz wurde allenthalben gefährdet, ihr Name aberwurde bekannt und gefeiert. Es gelang den Regierungen nicht, ihreIdeen zu unterdrücken, weil dieselben zu mächtig im Bewußtsein derZeit lebten nnd stets in neuen Formen zu Tage traten.
Die bedeutendsten Vertreter des jungen Deutschland warenHeinrich Laube, Karl Gutzkow, Ludolf Wienbarg, TheodorMündt und Gustav Kühne. Am meisten unter dem EinflüsseHeines stand Heinrich Laube, der seit dem Jahre 1833 mit demDichter in eine lebhafte und freundliche Korrespondenz getreten war.Mit einem burschikosen Naturell betrat er als ein kühner Fechter dieArena nnd trug die Fahne der Poesie des Fleisches dem „jungenDeutschland" voran. Er stürmte am kühnsten vorwärts, aber seinegesunde Natur reagierte zuerst gegen die Verirrungen der Genossen.
Der geistig bedeutendste RePräsentant des „jungen Deutschland"war unstreitig Karl Gutzkow. In seinem ganzen Streben und Ringencharakterisiert er die Zeit und ihre Tendenzen am trenesten, in