Biographie. 109
„mit den warmen glühendheißen Neuigkeiten vom festen Lande" an-kam. Heine schildert jene Zeitperiode selbst später einmal in folgenderWeise: „Mir war, als könnte ich den ganzen Ozean bis zum Nord-pol anzünden, mit den Gluten der Begeisterung und der tollenFreude, die in mir loderten." Mit welchem Jubel und welcher über-schwenglichen Begeisterung er die Berichte von der großen Katastrophenils Paris empfing, davon geben seine Briefe aus Helgoland einmerkwürdiges Zeugnis.
Auch die übrigen Badegäste teilten den Enthusiasmus deS jungenDichters; sogar die armen Helgolnnder Fischer jubelten vor Freude;obgleich sie die großen Ereignisse nur instinktmäßig begriffen. Auchin Cuxhaven, wo Heine mehrere Tage verweilte, herrschte großerEnthusiasmus für Frankreich. Sogar in Hamburg, hatte mall ihmdort erzählt, in jenem Hamburg, wo der Franzoscnhaß am tiefstenwurzelte, herrschte lauter Jubel, flatterte die Trikolore und ertöntedie Marseillaise. Freilich, als Heine anfangs September dort ein-traf, war der Rausch der Begeisterung schon wieder verflogen unddie Aufregung einigermaßen gedämpft. Dafür war es ihm zumzweitenmal beschieden, eineil Judenkrawall zu erleben, welcher nochgrößere Dimensionen annahm als der im Jahre 1819, und nurdurch das energische Einschreiten der Bürgerwehr unterdrückt werdenkonnte. Auch das Haus Salomvn Heines wurde mitStcinwürfenbedrvht.
Heine ging jetzt mit allem Eifer an die Vollendung eines Buches,das er scholl im Seebade begonnen und das im Anfang des Jahres1831 erschien. Es waren die „Nachträge zu den Rcisebildern", zumTeil ältere Aufsätze, zum Teil neu hinzugefügte, in denen die Be-geisterung für die französische Revolution schon dithyrambischen Aus-druck fand. Das Wort war damals in Wahrheit bereits eine That,deren Folgeil sich nicht abmessen ließen, und man wird eS nicht inAbrede stellen können, daß der volle Mut der Überzeugung dazugehörte, nun, trotz drohender Verfolgung, so energisch für die Freiheiteinzutreten, wie es Heine damals in jenem Nachwort zu den Rcise-bildern und in dem Vorwort zu der Broschüre Robert Wesselhvfts„Kahldorf über den Adel, in Briefen an den Grafen M. von Moltke"gethan hatte. Mit dein Acut eines Freiheitskämpfers trat er für diebürgerliche Gleichheit, für Preßfreiheit und die politische Bildung desVolkes ein und mahnte die Regierungen, die Fesseln des Volkes zusprengen und Licht zu verbreiten, „ehe die Stunde kommt, wo dieDunkelheit mehr Unglück stiftet als die Leidenschaft".
Aber das Wort des mahnenden Propheten wurde nicht gehört,sondern verhallte wirkungslos, denn es war damals „die Zeit derhohen Jagd gegen die liberalen Ideen", und Heine suhlte mehr alsje den Boden unter sich wanken. Auch in seinen persönlicheil Ver-hältnissen trat eine ungünstige Wendung ein; er hatte sich von neuem