Druckschrift 
3 (1844)
Entstehung
Seite
92
Einzelbild herunterladen
 

92

stehen. Die Manns- und Weibsstühle im Tempel der Ewigkeitsind heutzutage alle besetzt, was will man denn anfangen? Manmuß sich nach der Decke strecken. Und am Ende, was hat dennein Landstreicher Besonderes, ist denn unser zu Hause Sitzenverdienstlicher? Ja, die Seele des so genannten Landstreichershat gemeiniglich ein gewisses allgemeines, in Alles passendesWesen, das der beinah thierischen, eingeschränkten Seele desGenies weit vorzuziehen ist. Den Erstcrn kann man überallnutzen, hier zum Ausfüllen, dort zum Zuschmieren, und über-haupt da, wo nichts Andres dient; hingegen das Letztere, wennes nicht gerade dahin kommt, wo es Eckstein oder Schlußsteinwerden kann, das ist mit Quadratwurzeln und Reihen spielen,von Planeten fabeln, unter halbverfaulten Muskeln kramen,oder Gesetze geben kann, ist ein so sperriges, unbrauchbares,ärgerliches Ding, als ein Kachelofen im Sommer. Ich kannnicht leugnen, daß ich fast wünschte, es mochte einmal ein Land-streicher, der ein großer Mann wäre und die Gabe hätte, auf-stehen, und auf unser zu Hause Sitzen einen ähnlichen Accentlegen, wie würden wir da schwärmen, und eben dadurch un-fern Bätern, den alten Deutschen, ähnlicher werden, bei denensolche Stadthökcr, wie ihr und eures Gelichters, eben so unehr-lich gewesen wären, als ihr die Landstreicher jetzt gehalten wis-sen wollt. Was ich oben von der Gemeinnützigkeit der Land-streicher gesagt habe, will ich »och mit dem Zeugnisse zweier dergrößten Kenner des menschlichen Herzens, in diesem Jahrhun-dert, ich meine des Grafen von Zinzendorf und des Ge-